Links klicken: Eine Seite zurück, in der Mitte-Links klicken: zurück zur Titelseite, Mitte rechts klicken: zurück zum Inhaltsverzeichnis, rechts klicken: nächste Seite

Der Minnesänger auf der Rosenburg

Historische Figuren bleiben blass, wenn keine genuinen Schriftzeugnisse aus ihrer Hand vorliegen oder die Vorstellung nicht durch bildliche Darstellungen unterstützt wird. Im Fall der Burggrafen von Regensburg wäre beides aufgrund ihres mittleren Ranges in der Feudalpyramide und der frühen Zeit, in der sie lebten, nicht zu erwarten. Man muss es deshalb als eine ausgesprochen glückliche Fügung des Schicksals ansehen, dass die Burggrafen nicht nur ihre Unterschriften in Zeugenlisten, sondern ihre persönliche Handschrift in drei mittelalterlichen Liedersammlungen, in Form von Gedichten mit Bilddarstellungen, hinterlassen haben. Die Strophenfolge und Textabweichungen, aber auch die Übereinstimmungen in den Schriften sind für die fachliche Zuordnung der Autoren in den genannten Werken von größter Bedeutung.

Die Quellen

Der Codex Manesse, auch große Heidelberger Liederhandschrift genannt (früher Pariser Liederhandschrift), entstand um 1300 im Zürich. Er wurde in Nachträgen bis 1340 fortgesetzt und gehörte einst der Züricher Patrizierfamilie Manesse, daher der Name. Heute befindet er sich in der Universitätsbibliothek Heidelberg als Codex Palatinus Germanicus 848 [00]. Der Band umfasst 426 Pergamentblätter im Format 35,5x25 cm und enthält die mittelhochdeutschen Gedichte von 140 Minnesängern, wobei diesen 138 prachtvolle Autorenbilder mit Wappen und Helmzier vorangehen. Die Anordnung erfolgte nach dem jeweiligen Rang des Dichters, am Anfang stehen die staufischen Kaiser Heinrich VI. und Konrad IV., dann folgen Fürsten, Herren und Meister, darunter auch "der Burggrave von Regensburg" und "der Burggrave von Rietenburg".

Die Weingartner Liederhandschrift ist eine zwischen 1310 und 1320 in Konstanz entstandene Sammlung der Minnelyrik. Sie enthält 33 Textblöcke auf 158 Blatt kleinformatigen Pergaments, von 26 Versdichtern vom Ende des 12. bis zur Mitte des 13. Jahrhundert in Mittelhochdeutsch gereimt, zusätzlich 25 ganz- und halbseitige Abbildungen der Dichter, darunter auch "den Burggraf von Rietenburg". Das Manuskript befindet sich heute in der Württembergischen Landesbibliothek in Stuttgart, als Codex HB XIII 1.

Die 1984 entdeckten Budapester Fragmente, drei Blätter einer nicht vollendeten Liederhandschrift mit Bilddarstellungen, finden sich in der Széchényi Nationalbibliothek in Budapest, als Codex Germanicus 92. Sie entstanden zwischen 1280 und 1300, stammen aus dem Donauraum und enthalten als Dichter den "Kürnberger", den "Burggraf von Rietenburg", den "Burggraf von Regensburg" und den "Vogt von Rotenburg". Das Textkorpus des Burggrafen von Regensburg in diesen Fragmenten ist im Codex Manesse und in der Weingartner Liederhandschrift dem "Burggrave von Rietenburg" zugewiesen, auch die bildliche Darstellung deutet auf den Riedenburger hin.

Bilder und Gedichte

Die in den Manuskripten enthaltenen Bilddarstellungen sind zeitnah zu den Lebenszeiten der Dichter erstellt und dadurch relativ authentisch. Man nimmt verwundert zur Kenntnis, dass die Burggrafen von Regens- und Riedenburg nicht nur Grafen und Politiker, sondern auch Lyriker waren!

Durch ihre Minnelieder nehmen sie einen wichtigen Platz in der Literaturgeschichte ein, denn immerhin gelten sie als früheste Vertreter dieser Literaturgattung im deutschsprachigen Raum.
"Der Burggrave von Regensburch" aus den Budapester Fragmenten (um 1300).
Der traditionellen Sicht nach handelt es sich bei den Dichtern um die Söhne Burggraf Heinrichs III., wobei unter dem "Burggrave von Regensburg" überwiegend Friedrich verstanden wird, unter dem "Burggrave von Rietenburg" seine Brüder Otto oder Heinrich [01].

Nun kann es im Folgenden nicht darum gehen, in die wissenschaftliche Diskussion der Germanisten und Mittelalter-Philologen darüber einzugreifen, wie die in den Handschriften enthaltenen Gedichte zu werten sind. Aber wir wollen einzelne Gedichte und Autorenbilder vorstellen und aus der Biographie heraus nach Kriterien suchen, wer von ihnen als Dichter in Frage käme. Dabei beschränken wir uns im Wesentlichen auf eine Person, denn jüngste Analysen der betreffenden Handschriften unter formalen und poetologischen Aspekten haben genau das festgestellt, was schon in der allerältesten Literatur vermutet wurde, nämlich dass es sich bei den beiden "Burggraven" aller Wahrscheinlichkeit nach nicht um zwei distinkte Personen, sondern um ein- und denselben Verfasser handelt [02].

Unabhängig von dessen Identität:

Die hier in Auszügen vorgestellten Strophen gehören zu den ältesten Dichtungen aus dem deutschen Sprachraum. Der "Burggrave von Regensburg" repräsentiert demnach den ersten altbayerischen Minnesänger überhaupt, der "Burggrave von Rietenburg" den ersten, der eine unglückliche Liebe zum poetischen Motiv erwählt hat.

 

Der "Burggrave von Regensburg"

Ich lac den winter eine,
wol trôste mich ein wîp,
vore si mír mit vröiden kunde
die bluomen und die sumerzît.
daz nîden merkaere.
dêst mîn herze wunt.
ez enhéile mir ein vrowe mit ir minne,
éz enwirt niemêr gesunt.
Ich lass den Winter schalten,
es tröstet mich ein Weib;
sie weiß mir zu entfalten
Blumen und Sommerzeit.
Das merken mir die Neider,
drum ist mein Herz mir wund!
Wenn sie‘s mit ihrer Minne nicht heilt,
so werd ich nie gesund!
Nu heizent sî mich mîden
einen rítter: ich enmac.
swenne ich dar an gedenke,
daz ich sô güetlîchen lac,
verholne an sînem arme,
des tuot mir senede wê.
vón im ist ein als unsenftez scheiden,
des mác sich mîn hérze wol entstên.
Nun heißen sie mich meiden
einen Ritter, den ich mag.
Wenn ich daran gedenke,
dass ich so glücklich lag
verstohlen ihm im Arm:
Ach, tut das Sehen weh!
Von ihm ist unsanft scheiden,
ach tut mein Herz mir weh!
Ich bin mit rehter staete
einem gúoten rîter undertân.
wie sanfte daz mînem herzen tuot,
swenne ich in umbevangen hân!
der sich mit manegen tugenden guot
gemachet al der welte liep,
der mac wol hôhe tragen den muot.
Sine múgen alle mir benemen,
den ich mir lange hân erwelt
ze rehter staete in mînem muot,
der mich vil meneges liebes went.
und laegen sî vor leide tôt,
ich wil ime iemer wesen holt.
si sint betwungen âne nôt.
Ich häng in echter Lieb' und Treu'
an einem guten Rittersmann.
Und nehm‘ ich ihn in meinen Arm,
wie wohl ist mir im Herzen dann!
Wer sich durch Tugenden als gut
und tüchtig dieser Welt erwies,
der darf wohl tragen hohen Mut.
Sie alle nehmen mir ihn nicht,
den ich zu rechter Treue schloss
seit langer Zeit mir schon ins Herz,
von dem ich Liebes viel genoss.
Und brächt‘ der Neid ihnen den Tod,
ich bleib' ihm hold auf immer;
sie sind bezwungen ohne Not.

 

Der "Burggrave von Rietenburg"

"Der Burggrave von Rietenburg" - Seite der Weingartner Liederhandschrift
"Der Burggrave von Rietenburg" - Prachtbild aus dem Codex Manesse, fol. 119v.

Diu nahtegal ist gesweiget,
und ir hôher sanc geneiget,
die ich wól hôrte singen.
doch tuot mir sanfte guot gedinge,
den ich von einer vrowen hân.
ich wil ir niemer abe gegân
und biut ir staeten dienest mîn.
als ir ist liep, alse wil ich iemer mêre sîn.
Die Nachtigall hat ausgesungen,
ihr süßer Sang ist jetzt verklungen,
den ich so lieblich hab‘ vernommen.
Doch hab‘ ich wieder Mut gewonnen,
den eine Frau mir hat verlieh‘n.
Ihr will ich nimmer mich entzieh‘n
und will ihr treue Dienste weih‘n.
So soll es immer mit mir sein!
Sît si wil versuochen mich,
daz nim ich vür allez guot.
sô wirde ich góldìgelîch,
daz man dâ brüevet in der gluot
Und versúochìt ez baz.
bezzer wirt ez umbe daz,
lûter, schoener unde klâr.
swaz ich singe, daz ist wâr:
glúotìs ez iemer mê,
ez wurde bezzer vil dan ê.
Will sie mich prüfen, der ich hold,
so heiß ich den Versuch nur gut:
Denn ähnlich werd ich sein dem Gold,
das man geprüft in Feuers Glut.
Und, wenn es dies erfuhr,
sich rein und klar
und schöner zeigt sogar.
Ja, was ich singe, das ist wahr:
Wie pures Gold sich klärt im Feuer,
bin ich, erprobt, ihr nur noch treuer!

 

Der "Burggrave von Regensburg" - ein Lebensbild

Fokussieren wir nach diesen dichterischen Zeilen auf die Bilddarstellung des Codex Manesse, die den Gedichten des "Burggrave von Regensburg" vorangeht.

"Der Burggrave von Regensburg" - Prachtbild aus dem Codex Manesse, fol. 318r.
Über der Szenerie schwebt das Stadtwappen von Regensburg, die beiden gekreuzten Schlüssel stellen nach der einen Deutung die beiden Himmelsschlüssel des Petrus und damit die Domkirche St. Peter dar, nach der anderen die weltliche und geistliche Doppelherrschaft der Stadt.

Zur Linken sieht man den im Erwachsenenalter befindlichen und mit Robe versehenen Burggrafen auf seinem erhabenen Richterstuhl sitzen, die Beine übergeschlagen und die rechte Hand erhoben: Er hat soeben ein Gerichtsurteil gesprochen!

Hinter ihm stehen zwei Gerichtsdiener im Harnisch, sie und das Schwert des einen symbolisieren die Vollzugsgewalt.

Auf der rechten Seite im Hintergrund stehen drei junge Männer, alle sehr ähnlich und in ziviler Kleidung. Sie fungierten als Zeugen.

Im Vordergrund rechts stützt sich ein schmächtiger Greis mit seiner Linken auf einen Pilgerstab, während seine Rechte erhoben ist und signalisiert, dass er den Richterspruch entgegengenommen und akzeptiert hat. Sein Kopf ist bereits zum Gehen gewandt.

Nach dem Expertenurteil von W. Koschorreck handelt es sich hierbei um eine Szene der hohen Gerichtsbarkeit:

Sie stellt eindeutig die Stadtverweisung und Verbannung eines alten Mannes dar, der sich auf Wanderschaft begeben muss. [03]!

Grabplatte des Reklusen Mercherdach in der Mercherdachkapelle beim Stift Obermünster in Regensburg

Mit dieser Deutung erweist sich die Darstellung im Codex Manesse als eine äußerst wertvolle biographische Quelle:

Es handelt sich recht eindeutig um die Darstellung Burggraf Heinrichs III. von Regensburg und um eine Allegorie seines Lebens, wobei der Richter zur Linken den Burggrafen auf dem Gipfel seiner Macht darstellt, und der zum Rückzug aus der Welt verurteilte Greis denselben Burggrafen in seiner späten Lebensphase, als künftiger Heinrich von Ebrantshausen, der sich, des Landes veriwesen, auf eine "peregrinatio" begeben muss.

Die drei jungen Männer im Hintergrund scheinen - in Haarfrabe und Mimik dem Burggrafen wie aus dem Gesicht geschnitten - die drei Söhne Heinrichs sein.

Sogar in den Details finden sich Analogien zur Lebensgeschichte: Die Glatze und der Bart des Verurteilten symbolisieren das Alter des Mannes und vielleicht auch sein Inkognito, der Stab in der Linken ist eine Cambutta und weist den Verurteilten als Pilger aus [04]. Die Schlankheit kann als Hinweis darauf gelten, dass sich Heinrich von Ebrantshausen mit einem Bußreifen zur Magerkeit kasteite.

Die ganze Darstellung erinnert an die Gedenkstele eines iroschottischen "peregrinus", die aus dem 13. Jahrhundert stammt und sich noch heute in Regensburg befindet: Der Grabstein des heiligen Mercherdach. Ihn könnte der Verfasser des Codex Manesse gesehen haben.

In ihrer diversifizierten Symbolik spiegelt die Darstellung der Liederhandschrift nahezu Heinrichs gesamtes Leben wider: Familie, Aufstieg und Fall. Demnach dürfte Burggraf Heinrich III. von Regensburg mit dem Minnesänger "Der Burggrave von Regensburg" aus dem Codex Manesse identisch sein. Der Buchmaler scheint über sein Schicksal bestens Bescheid gewusst haben!

 

Riedenburg und seine Rosenburg

Wenn man die Lebensgeschichte Burggraf Heinrichs III. aufgreift, so finden sich für die Ansicht, dass dieser der Minnesänger des Codex Manesse war, weitere Argumente. Die Liebesgedichte entstanden am wahrscheinlichsten zu einer Zeit, als der "Burggrave von Regensburg" von Herzen, aktiv und kreativ liebte, also nicht durch äußere Einflüsse negativer Art oder Geschäfte so blockiert war, dass seine dichterische Ader versiegte.

Riedenburg und die Rosenburg - Aquarell von K. L. Lebschée (+1877), nach einem Wandge-mälde im Antiquarium der Königlichen Residenz in München, um 1590. Zur Linken auf dem Berg im Hintergrund der alte Pabonensitz Rabenstein, dahinter die Rosenburg.
Heinrich von Riedenburg hatte nach 1115 seine Frau Bertha von Babenberg kennengelernt und wenig später geheiratet, sie dürften damals noch sehr jung gewesen sein [05]. Als Heinrich das Burggrafenamt übernahm, um 1142, waren beide schon fortgerückten Alters, Bertha hatte ihre Kinder geboren und stand alsbald an der Schwelle des Todes. Heinrich selbst wurde sehr alt, möglicherweise über 80 Jahre, wenn das in Ebrantshausen tradierte Todesjahr 1185 stimmt. Es ist anzunehmen, dass Burggraf Heinrich die glücklichste Phase seines Privatlebens zwischen 1120 und 1140 erlebte und dass ihn mit seiner ersten Frau eine tiefe Zuneigung verband.

In der betreffenden Zeit weilten Heinrich III. und seine Gemahlin noch nicht in Regensburg, sondern vor allem auf dem Stammsitz der Familie im Altmühltal, beim heutigen Riedenburg.

Dort hatten in den Vorvätergenerationen die Pabonen auf einem relativ kleinen Ansitz mit dem wenig romantischen Namen Rabenstein gehaust.

Basis des romanischen Bergfrieds auf der Rosenburg, welche zur Zeit Burggraf Heinrichs III. und seiner Frau Bertha errichtet wurde.
Noch vor 1140, als die Familie auf dem Zenit ihrer Macht, ihres Ansehens und ihrer Mittel stand, wurde hoch über der Altmühl eine stattliche Burg neu errichtet, entweder noch unter der Ägide Ottos I. oder schon unter Heinrich III. selbst. Die heutigen Gebäude dieser mächtigen Burg datieren fast alle aus späterer Zeit, aber in der Basis des Bergfrieds finden sich noch vereinzelt Buckelquader mit Randschlag, welche aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts stammen und in ihrer Größe und Art der Zubereitung entfernt an die Kirchen mit profanem Obergescho▀ erinnern [06]. Es ist sicher kein Zufall, wenn diese Burg damals den dichterischen Namen Rosenburg erhielt, und Heinrich III. in seinem Wappen das heraldische Minnesymbol der "drei Rosen" aufgriff, eine Symbolik, die wir in der Gegend in Zusammenhang mit den Pabonen auch andernorts immer wieder entdeckt haben (z. B. als Zierstein an einer Obergescho▀kirche, im Namen eines Stadttors oder einer Mühle; siehe auch das Kapitel "Curiosa" am Ende dieser Arbeit). Was konnte diesem Liebessymbol anderes zugrunde liegen als die Begeisterung für die Minne? Und für wen sonst wurde diese Burg gebaut als für die geliebte Frau und die gemeinsamen Kinder?

Im architektonischen Programm der Rosenburg, in ihrem Namen und in ihrem Wappen finden also die dichterische Leistung des Minnesängers und die Lebenssituation des Burggrafen ihre augenscheinliche Entsprechung!

Minnedichtung war damals Privileg des Hochadels [07]. Es wird der junge Burggraf in spe durch seine am Babenberger Hof erzogene und deshalb hochgebildete Gattin Bertha dazu stimuliert worden sein, sich in den dichterischen Disziplinen des "amour courtois" zu üben. So enthalten die Minnegesänge des Codex Manesse zahlreiche sogenannte "Frauenstrophen", die zwar nicht aus der Feder Berthas selbst stammten, wie man meinen könnte, aber ihre Gefühlslage und Denkweise durchaus einbezogen und reflektierten.

Die Burggrafenpfalz bei St. Emmeram war für die Entwicklung eines dichterischen Minne-Diskurses dieser Art weniger geeignet, zumal ein Kloster für die personale Liebe keinen Idealraum darstellte, dort ein ständiges Ein und Aus herrschte, und obendrein ganz Regensburg 1130 ein Raub der Flammen und danach zur Großbaustelle geworden war.

Was die nachfolgende Generation der Pabonen betrifft, so kam diese wegen der Zeitumstände kaum als Erbauer der Rosenburg in Frage! Natürlich handelt es sich hier wie im Folgenden mangels beweisender Urkunden nicht um das Referieren gesicherter Tatbestände, denn Urkunden mit Beweischarakter liegen nicht vor. Eine Hypothesenbildung ist aber insofern berechtigt und sinnstiftend, weil sie versucht, menschliche Verhaltensweisen plausibel zu extrapolieren und in den bekannten biographischen Eckdaten der Protagonisten zu verankern.

In jedem Fall scheint der Name Rosenburg im Hinblick auf die Lebensgeschichte der Erbauer kein Zufall zu sein:

Die Rosenburg war eine Burg der höfischen Liebe und des Minnegesangs!

Einer weiteren Rosenburg begegnen wir weiter unten!

Die Epigonen

Wenn wir die Lebenssituation der Burggrafen eine Generation später betrachten - Burggraf Friedrich wird in den meisten Publikationen ohne triftige Argumente als Verfasser der Liebesgedichte angesehen -, so war diese jedenfalls weitaus weniger geeignet, dichterische Leistungen hervorzubringen. Als "Burggrave von Regensburg" oder "Burggrave von Rietenburg" kann man sich Friedrich nur schwer vorstellen. Als sein Vater Heinrich III. aus Regensburg verdrängt worden war, hatte das Burggrafenamt massiv an Ansehen gelitten. Über viele Jahre tauchte Friedrich unter dem Titel "Burggraf" überhaupt nicht in den Akten auf; er verbrachte wohl die meiste Zeit gedemütigt bei den Verwandten seiner Mutter in Österreich. Warum sollte gerade er als Burggraf in die Geschichte der Dichtkunst eingehen, wenn er erst im Alter von ca. 50 Jahren überhaupt amtierender Burggraf wurde? Die Biographie macht dies zwar nicht unmöglich, aber plausibel ist es nicht. Seine Ehe mit der Sächsin Sophia von Meißen blieb unfruchtbar, obwohl diese zuvor von Herzog Udalrich von Böhmen eine Tochter geboren hatte. Es scheint sich um eine späte Zweckehe, weniger um eine Liebesehe gehandelt zu haben. Friedrichs Bruder Heinrich IV. war gänzlich ehe- und kinderlos geblieben [08]. Natürlich war eine eheliche Verbindung nicht zwangsläufig Voraussetzung für Minne, und in einer Zeit dynastischer Zwangsverheiratung wurden nicht selten gerade diejenigen Frauen, mit denen man gar nicht verheiratet war, im Minnegesang verehrt. Aber Minnelieder wurden in der Regel nur an Damen des Adels geschrieben, und nicht an Buhldirnen oder Landfrauen, deshalb kann der Kreis der Angebeteten für die Söhne Heinrichs nicht allzu groß gewesen sein.

Verbleibt am Ende nur noch eine Frage:

Stellt nicht wenigstens der "Burggrave von Rietenburg" einen der Söhne Heinrichs III. dar?

Denkmal des "Burggrave von Rietenburg" an der Schiffslände des Rhein-Main-Donau-Kanals in Riedenburg, der Darstellung des Codex Manesse nachempfunden.
Auf dem Autorenbild des Codex Manesse erkennt man einen recht jungen Mann, der einem Dienstmannen eine lange Schriftrolle präsentiert. Immerhin trägt er das Schwert als Zeichen richterlicher Macht, und Schild und Helmzier zeigen in schöner Darstellung die Rose als Liebessymbol. W. Koschorreck interpretierte das Bild als sog. "Botenbild" und damit als Motiv aus einem Gedicht, dem sogenannten Abschiedslied [09].

Unseres Erachtens stellt das Bild Burggraf Heinrich III. in jungen Jahren dar; in Pose und Bekleidung ist es nahezu identisch mit der Darstellung des Burggrafen von Regensburg. Sein Sohn Friedrich verbrachte, wie schon erwähnt, seine Jugend wegen der Verbannung seines Vaters fast ausschließlich in Österreich, er nannte sich zu dieser Zeit nicht "Burggraf von Riedenburg". Ihn in dem dargestellten jugendlichen Alter mit Riedenburg und der Rosenburg zu assoziieren, ist also kaum möglich. Gleiches gilt für seinen Bruder Heinrich, welcher nur wenig jünger war als sein Bruder und als "burchgravius de Retimburch" nur ganz kurz und gegen Ende seines Lebens fungierte.

So wird wohl das angehen, was die Fachwissenschaft sowieso schon festgestellt hat, nämlich, dass wir es bei den beiden "Burggraven" des Codex Manesse mit ein und demselben Dichter zu tun haben, jeweils dargestellt in gleicher Pose und Kleidung, aber unterschieden durch Alter und Situation.

 
Diese singuläre Dichterpersönlichkeit sehen wir wegen der unverwechselbaren allegorischen Bilddarstellung des "Burggrave von Regensburg" und der Annahme, dass nur eine passende Lebenssituation eine Minnedichtung von Rang überhaupt ermöglicht, eindeutig in der Person Burggraf Heinrichs III. und nicht in dessen Epigonen.

So war es wohl auch Heinrich III. persönlich, der als "Burggrave von Rietenburg" folgende pessimistischen Zeilen in seinen Minnesang verwob [10]:

Sit sich hât verwandelt diu zît
Des vil manic herze ist frô
Sô wurde ervaeret ich dur[ch] nît
det ich niht selbe alsô
min lîp betwungen stât
Noch ist mîn rât
Daz ich niuwe mînen sanc.
Es ist leider alze lanc
Daz die bluomen rôt
begunden lîden nôt.
Seit sich die Zeit gewandelt war,
sind vieler Herzen froh.
Doch mir schlägt Missgunst entgegen,
wenn ich nicht ebenso täte.
So steht mein Leib bezwungen.
Noch ist es mein Entschluss,
dass ich meinen Gesang erneuere.
Es ist leider allzu lange schon,
dass die roten Blumen
Not zu leiden begannen.

Wenn hier von "verwandelter Zeit", "Missgunst", Nachstellungen und der "Not der roten Blumen", freilich der Wappenblumen des Riedenburger Geschlechts, die Rede ist, was passt besser hierzu als das tragische Lebensschicksal des Burggrafen, von dem der geneigte Leser hier erfahren hat?

Eine Schule des Minnegesangs?

Es bleibt am Ende anzumerken, dass sich im Lauf unserer Recherchen immer mehr der Eindruck verdichtete, es hätte sich unter dem Einfluss des Pabonengeschlechts in deren einstigem Hoheits- und Einflussgebiet eine förmliche Schule des Minnegesangs, z. T. über Generationen hinweg, herausgebildet.

Was bedingt diesen Eindruck?

Ganz einfach: Viele der im Codex Manesse enthaltenen Minnesänger stammen aus Familien und Dynastien, die mit den Pabonen von Riedenburg eng assoziiert, z. T. verwandtschaftlich verbunden waren! Als da sind:

  • Engelhardt von der Adelburg: Er war dem Dafürhalten nach ein Ministeriale der Pabonen (oder ein Nachfahre derselben) auf der Adelburg bei Velburg, einer Burg, deren Ruinen sich in malerischer Umgebung bis heute erhalten haben.

  • Der Markgraf von Hohenburg: Dieser steht ebenfalls in einer gewissen Tradition der Pabonen; eine Tochter Burggraf Heinrichs III. hatte in die Familie von Hohenburg eingeheiratet.

  • Werner von Teufen: So hieß der Nachfahre, vielleicht sogar der leibliche Sohn einer weiteren Tochter Burggraf Heinrichs III. von Regensburg.

  • Reinmar von Brennberg: Dieser gilt zwar als Ministeriale des Domes von Regensburg, seine Burg stand jedoch auf uralten Pabonenland, umringt von zahlreichen Ministerialensitzen der Pabonen.

  • Burkhart von Hohenfels: Dass Burkhard vom Bodensee stammt, ist nicht bewiesen, er könnte ebenso der mit den Pabonen verwandten Familie der Hohenfelser in der Oberpfalz angehört haben.

  • Hadamar III. von Laaber: Der Minnesänger gehört zum Herrengeschlecht derer von Prunn-Laaber. Burg Laaber ist eine ehemalige Pabonenfestung in der Westermannmark, zur Bewachung des Laabertales und des Königsforstes Tangrintel, umringt von zahlreichen Ministerialensitzen der Pabonen.

  • Der Kürnberger: Er gilt als der älteste der deutschen Minnesänger und dichtete im Versmaß des Nibelungenliedes. Bezüglich seiner Herkunft wird er meistens in Niederösterreich zwischen Passau und Linz verortet, ohne dass sich dort ein zugehöriger Adelssitz gefunden hätte. Er könnte ebenso Burg Kürn oder von Burg Kürnberg im bayerischen Vorwald (bei Stamsried) gestammt haben, selbst wenn an beiden Orten die erhaltene Substanz jüngeren Datums ist. Abgegangene Sitze des 11./12. Jahrhunderts sind an beiden Orten anzunehmen, die dann der Landgrafschaft der Steflinger Pabonen zuzuordnen wären. In diesem Zusammenhang erscheint es auch überzufällig, dass sich gerade auf Burg Prunn im Altmühltal, wenige Kilometer vom Pabonenstammsitz Riedenburg entfernt, der Prunner Codex, ein besonders schönes Exemplar des Nibelungenliedes, fand, wobei sich jüngst Hinweise dafür verdichteten, dass er über das Adelsgeschlecht der Gumppenberger von der Burg Breitenegg, eine heute abgegangenen Burg bei Breitenbrunn in der Oberpfalz, stammen könnte [11]. Deren frühere Dynasten gehörten wiederum zu einem mit den Pabonen eng verwandten Familienverband, der die Burgen Laaber, Breitenegg und Prunn besaß. Diese Burgen liegen kranzförmig um den schon oben erwähnten ehemaligen Königsforst Tangrintel herum, in dem die Riedenburger Pabonen reichlich Besitz hatten. Auch ist ein Zusammenhang der Handschrift mit dem oben erwähnten Minnesänger Hadamar von Laaber nicht ausgeschlossen, da sein Sohn sich mit einer Frau von Gumppenberg verehelichte.

Selbst die allbekannten Dichter Wolfram von Eschenbach und Tannhäuser stammen aus einem Umfeld, das den Seitenlinien der Pabonen zugeordnet werden könnte, nunmehr den fränkischen:

  • Der Tannhäuser kam aus Thannhausen am Brombachsee oder weniger wahrscheinlich aus Thannhausen bei Freystadt.

  • Wolfram trug z. B. den Leitnamen der Grafen von Abenberg, die mit den Pabonen verwandt waren; für ihn selbst, der Abenberg bestens kannte und auch dichterisch verarbeitete, wird ebenfalls eine familiäre Beziehung dorthin mit vernünftigen Argumenten postuliert.
Die möglichen Zusammenhänge dieser Dichter und Sänger mit der pabonischen Tradition des Minnegesangs, wie er durch den "Burggrave von Regensburg" und den "Burggrave von Rietenburg" repräsentiert wird, sind unseres Wissens in noch keiner wissenschaftlichen Abhandlung berücksichtigt, geschweige denn eingehend untersucht worden.

Nachhall zu Beginn der Neuzeit - Ritterideal des Spätmittelalters in Georg Rüxners Turnierbuch

Drei Jahrhunderte nach dem Codex Manesse begegnen uns Burggraf Heinrich III., seine Verwandten und Freunde noch einmal in einem literarischen Werk, nunmehr an der Seite Herzog Welfs VI. - als literarische Fiktion, als ritterliche Idealgestalten.

Der Herold Georg Rüxner verfasste in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts ein Werk, das 1530 erstmalig in Druckform erschien [12]:

"ThurnierBuch. Von Anfang, Ursachen, ursprung und herkommen der Thurnier im heyligen Römischen Reich Teutscher Nation"

S. LXXXIX des Rüxner'schen Turnierbuchs: Abendbankett
 
Dieses Buch erfreute sich in der Folge einer großen Beliebtheit und wurde bis ins 20. Jahrhundert hinein auch als genealogisches Standardwerk des deutschen Adels betrachtet, bis man es schließlich als in vielen Teilen nicht authentisch entlarvte. Man geht nun davon aus, dass innerhalb der 36 geschilderten Großturniere die ersten 14 im Ablauf frei erfunden sind. Dazu gehört auch ein Turnier unter der laufenden Nummer 10, welches vom 5. bis 9. Dezember im Jahr 1165 in Zürich stattgefunden haben soll:

"Summa vierzehen Fürsten, Summa vier und achtzig Freyherren, Summa dreyhundert und zwen Edelmann, Summa ein und neuntzig Graven, Summa hundert drey und dreyssig Ritter" hätten damals teilgenommen.

"Summa summarum aller ist geweßt/sechßhundert vier und zwentzig Helm…"

Zum Treffen von Zürich hatte Welf VI., Herzog in Bayern und Spoleto, geladen. Rüxner schildert von Doppelseite LXXVI bis XCII, wie große Teile des Adels Bayerns, Frankens, Schwabens und der Rheinlande in Zürich aufmarschiert sind. Wir beschränken uns im folgenden Ausschnitt auf die bayerischen Edlen und Ministerialen, die in vorliegender Arbeit eine besondere Rolle gespielt haben:

"Die mit Pfaltzgrave Otten von Wittelßpach zum Thurnier auffgetragen haben…

Heinrich Landgrave zu Stauff am Regen

Die mit Landgrave Otten von Stäffling und Stauff am Regen zum Thurnier haben auffgetragen...

Conrad von Breitenstein/Ritter,
Leonhard von Berbing
Friderich von Murach

Die mit Burggrave Heinrichen/Graven zu Kalmüntz haben aufgetragen…

Ernst von Hohenfelß,
Fritz Hoffer zum Lobenstein,
Guldolff von Barßperg

Die mit Grave Heinrichen von Lechßmünd und Burckheym auffgetragen haben

Conrad von Rammelstein zum Loch

Die mit Grave Eberharden von Abenßperg und Roteneck haben lassen aufftragen…

Hernach volgen alle Graven/Herren/Ritter und Edlen/so bemeldten Thurnier auff iren eigen kosten besucht/und zu der Thurnier Schauw selbs haben lassen aufftragen…

Die Freyherrn… Wilhelm Herr zu Randeck

Die Ritter und Edlen/so disen Thurnier auff iren kosten besucht haben:

Albrecht von Bernstein...

Wie der Thurnier gehalten ward… wurde nachfolgend Fürsten/graven/Herren/Ritter und Edlen getheilt und verordent eynzureithen:

Welpho Hertzog in beyern und zu Spolet
Landgrave Otto von Steffling mit den seinen…
Heinrich Grave zu Lechßmünd mit den seinen…
Gebhard Grave zu Abenßperg mit den seinen…

Wie der ander Thurnier gehalten und wer darin getheilt ward:

Otto Pfaltzgrave zu Wittelßbach mit den seinen…
Diepold Grave zu Lechßmünd mit den seinen…
Leupold Marggrave zu Oesterreich mit den seinen…
Heinrich Burckgrave zu Regenspurg mit den seinen…
Wie man die Dänck zum Abendtantz außgab nach eins jeden verdienst…

Wie man nach disem beruffen anfieng zu tantzen

Den ersten Tantz gab man Otten Pfaltzgraven zu Wittelßbach mit Hertzog Heinrichs von Beyern Gemahel…
Den fünffften Tantz gab man Hertzog Welphen von Beyern und Spolet/ u. mit Burggrave Heinrichs Gemahel von Regenspurg/Frauwwen Bertha/ein Tochter deß seligen Sanct Leupolds marggraven zu Oesterreich

Hernach volgen die vier und dreyssig Fürsten und Graven deß Fürstlichen Geblüts vom Haus zu Beyern/die alle disen Thurnier in eigner person besucht haben…

Otto Pfaltzgrave zu Wittelßbach
Heinrich Burggrave zu Regenspurg/Grave zu Rietenburg/zu Lengfeld und Kalmüntz
Diepold Grave zu Lechßmünd und Grayßbach
Heinrich Landgrave zu Stauff am Regen
Leupold Marggrave zu Osterreich
Otto Landgrave zu Steffling und Stauff am Regen
Gebhard Grave zu Abenßperg und Roteneck
Heinrich Grave zu Lechßmünd und Burckheym

Die Fürsten und Graven hievor gesetzt/waren aller der Schwerdt seiten halb geboren und herkommen auß dem Edlen Fürstlichen Geblüte der Hertzogen in Beyern/so diß zeit Pfaltzgraven bey Rhein/und hertzogen in beyern sind und regieren."

Sprüht dieses Werk bezüglich der Personen und Zuordnungen von Fantasie und enthält es auch zahlreiche historische Fehler - so ist z. B. Burggraf Heinrich III. von Regensburg nie Graf von Lengenfeld und Kallmünz gewesen, oder Bertha, seine Frau, war zum Zeitpunkt des Turniers längst verstorben - so ist nicht zu verkennen, dass sich der Autor mit den damals ihm zur Verfügung stehenden Mitteln um Erfassung der historischen Gesamtsituation durchaus bemüht hat. So feierte Herzog Welf nach 1171 wirklich rauschende Feste, so hat z. B. die besondere Affinität des Burggrafen Heinrich zum Herzog, welche sich im originellen Tanz des Herzogs mit seiner Frau Bertha manifestiert, einen gewissen historischen Hintergrund.

Auch ist es interessant, so manches in dieser Arbeit erwähnte, längst ausgestorbene Ministerialengeschlecht wieder auftauchen zu sehen, wie z. B. die Rammelsteiner von Loch, wenn auch in falscher Zuordnung. Und auch einige Orte mit Profangescho▀kirchen tauchen hier nicht zu Unrecht auf.

Auf dieser kurzen Würdigung des Rüxner‘schen Werkes wollen wir es bewenden lassen.

 


[00] Heute am besten zugänglich als Digitalisat auf der Homepage der Universitätsbibliothek Heidelberg: http://www.ub.uni-heidelberg.de

[01] So z. B. bei M. Mayer: Geschichte der Burggrafen…, S. 37ff. Otto scheidet von vorn herein aus, da er als nachgeborener Sohn Heinrichs III. aus zweiter Ehe nie Graf von Riedenburg war, auch wenn er einmalig so bezeichnet wurde (siehe oben).

[02] Siehe Artikel: Der Burggraf von Regensburg, in: Historische Commission bei der königl. Akademie der Wissenschaften: Allgemeine Deutsche Biographie, 1845-1912, Bd. 27 (1888), S. 550ff., und F. Wabra: Die Bedeutung der Budapester Fragmente für das Werk der Burggrafen von Regensburg und Rietenburg, E-Book, 2006. Ausführliche Angaben auch bei K. Boll: Alsô redete ein vrowe schoene: Untersuchungen zu Konstitution und Funktion der Frauenrede im Minnesang des 12. Jahrhunderts, Dissertation Würzburg 2005, Würzburg 2007, S. 182ff. Da die Minnegedichte sowohl an Männer als auch an Frauen gerichtet sind, sollte es sich um ein Autorenpaar gehandelt haben.

[03] Siehe W. Koschorreck und W. Werner (Hrsg.): Codex Manesse, Die Große Heidelberger Liederhandschrift, Kommentar zum Faksimile des Cod. Pal. Germ. 848 der Univeritätsbibliothek Heidelberg, Frankfurt, Kassel 1981, S. 113f., und R. Schröder: Rezension zu Karl von Amira: Der Stab in der germanischen Rechtssymbolik, in: ZRG GA 30, 1909, S. 437ff.

[04] Nebenstehende Darstellung des seligen Mercherdach - ähnlich in Pose, mit dem Pilgerstab (cambutta) - stammt aus H. v. Walderdorff in: Verhandlungen des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg, Bd. 34 (1879), S. 202.

[05] Heinrich stand vermutlich zwischen dem 15. und 20. Lebensjahr und Bertha war wohl jünger als 15 Jahre.

[06] In den KvB, Bezirksamt Beilngries, Amtsgericht Riedenburg, S. 126f., und in Anlehnung daran in Dehio, Bayern II, Niederbayern, S. 583, sind die Anfänge der Burg auf die Frühzeit des 13. Jahrhunderts datiert. Dieser Erbauungszeitraum greift eindeutig zu spät. Der historische Abriss innerhalb der offiziellen Internetseite der Stadt Riedenburg http://www.riedenburg.de berichtet dagegen die Erbauungszeiträume korrekt.

[07] Als erster Troubadour dieser Art gilt Herzog Wilhelm IX. von Aquitanien (1071-1127), der Vater Eleonores von Aquitanien.

[08] In der damaligen Zeit starben, wie bereits erwähnt, viele Grafengeschlechter aus, wohl deshalb, weil man, um eine zu starke Zersplitterung des Gesamtbesitzes zu vermeiden, die zweit- und drittgeborenen Söhne nicht immer verheiratet und in den geistlichen Stand gegeben hatte. Die Kreuzzüge und die vielen Italienheerfahrten Kaiser Friedrich Barbarossas trugen das Ihre dazu bei, dass sich die Reihen der heiratsfähigen Adeligen lichteten. A. Kraus vermutet daneben nicht näher geklärte biologische Faktoren, besonders bei Familien wie den Andechsern und den Pabonen, bei denen gleich mehrere Stammhalter kinderlos blieben. Siehe A. Kraus: Geschichte Bayerns von den Anfängen bis zur Gegenwart, München 2004, S. 110. Wir selbst vermuten als eine der möglichen Ursachen eine chronische Bleivergiftung, welche vor allem in den Städten wegen Verwendung von Bleirohren bei der Wasserversorgung postuliert werden kann. So leitete der Konvent von St. Emmeram ab 1180 sein Wasser über fast 3 km von Dechbettener Brunnen in das Kloster durch Bleirohre, was sicher zu toxischen Bleikonzentrationen im Trinkwasser geführt hat. Die nachteilige Wirkung von Blei auf die Fertilität und Reproduktion - abgesehen von der erheblichen körperlichen Schwächung durch die entstandene Bleianämie - ist tierexperimentell gesichert. Ein Stück der mittelalterlichen Wasserleitungen von Regensburg kann noch heute im Kreuzgang von St. Emmeram besichtigt werden.

[09] Siehe W. Koschorreck und W. Werner (Hrsg.): Codex Manesse, Die Große Heidelberger Liederhandschrift, Kommentar zum Faksimile des Cod. Pal. Germ. 848 der Univeritätsbibliothek Heidelberg, Frankfurt, Kassel 1981, S. 113.

[10] Strophe 5 des "Burggrave von Rietenburg", Cod. Manesse, f. 119r.

[11] S. Karnatz: Burg Prunn und das Nibelungenlied: Der Prunner Codex, in: "Umb die vest prunn", Geschichte, Baugeschichte und der Prunner Codex, Bayerische Schlösserverwaltung: Forschungen zur Kunst- und Kulturgeschichte, Band XI, 2012, S. 175.

[12] G. Rixner: Turnierbuch, Reprint der Prachtausgabe Simmern 1530, Solingen, 1997. Das Werk ist heute in verschiedenen Ausgaben frei im Internet erhältlich. Im Folgenden wird aus der Ausgabe Frankfurt 1566 zitiert.

Klicken: zurück zum Anfang