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Die romanischen Landkirchen mit profanem Obergeschoß

Sonderfall 1: Der romanische Turm von Pfalzpaint im Altmühltal

Turmbau von Pfalzpaint an der Altmühl
Die Ortschaft Pfalzpaint liegt zwischen Eichstätt und Kinding. Sie war einst Sitz einer Ministerialenfamilie, deren früheste Vertreter bereits 1119 genannt sind. Unmittelbar an der Kirche St. Andreas, welche 1707 in großen Teilen, wenn nicht komplett, neu errichtet wurde, findet sich ein hoher romanischer Turm aus dem ausgehenden 12. Jahrhundert, an den in der Neuzeit ein Wohnbau - mit Resten eines mittelalterlichen Herrenhauses im aufgehenden Mauerwerk - angeschlossen wurde. Der quadratische Turmbau mit meterdicken Mauern trägt über dem Unterbau zwei durch Balkendecken getrennte Geschoße. Er wird in der Fachliteratur als Bergfried und einziger sichtbarer Rest der mittelalterlichen Burganlage von Pfalzpaint beschrieben, sein Untergeschoß auch als "Verlies" [01]. Allerdings spricht gegen einen Bergfried im üblichen Sinn [02] das Fehlen von Einrichtungen der aktiven Verteidigung und die ungewöhnlich aufwendige Ausführung der Außenschale mit sorgfältig behauenen Großquadern (bis zu 0,4 x 1,1 m Außenfläche; innen finden sich Lagen von Handquadern). Das zweite Geschoß zeigt Reste eines Kreuzgratgewölbes mit Konsolen, und ein romanisches Ostfenster. Es wird erschlossen durch einen in der Tonne gewölbten Südeingang, der heute von angrenzenden Wohnbau erschlossen ist, einst aber in mehreren Metern Höhe lag und vermutlich ins Freie führte bzw. an eine Brückenkonstruktion anschloss. Von diesem Obereinstieg führt in der Stärke der Südmauer ein Aufgang zu einem weiteren Geschoß.

Es finden sich in diesem Turmbau alle Kriterien vereint, die exemplarisch sind für die romanischen Kirchen mit profanem Obergeschoß. U. E. handelt sich bei dem Turmbau von Pfalzpaint entweder um einen Kapellenturm mit Sakralraum im zweiten Stock - worauf das Gewölbe und das Ostfenster hindeuten - und zusätzlich aufgesetztem Profangeschoß oder um eine insgesamt profane Struktur, jedoch mit typischen Stilmerkmalen der Obergeschoßkirchen, wie sie sich auch in der Nachbarschaft von Pfalzpaint finden. In letzerem Fall wäre denkbar, dass man bei der Gründung der Gesamtanlage den Vorgängerbau der Kirche St. Andreas, so er bereits existiert hat, nur relativ niedrig ausgeführt oder diese als ungeeignet für eine Aufstockung einschätzt hätte, so dass man sich zu einem eigenen Turmbau entschloss. Ähnliche Türme an Ministerialensitzen des 12. Jahrhunderts finden sich übrigens auch in der Nähe, z. B. in Harlanden bei Riedenburg oder Schönleiten bei Regenstauf, doch ist wegen der z. T. kümmerlichen, z. T. nicht mehr vorhandenen Substanz eine sichere Aussage über die Obergeschoße hier nicht mehr möglich.

Nicht unerwähnt bleiben soll bei diesen Türmen auch die Ähnlichkeit zu Kirchentürmen weit oben im Norden, bei den romanischen Feldsteinkirchen der Altmark. Auch dort findet man in den ausschließlich profanen Westtürmen übrigens Aufgänge in der Mauerstärke, wie wir sie von den Obergeschoßkirchen Altbayerns her kennen (siehe auch unten).

Sonderfall 2: Die Kirche St. Peter in Griesbach

St. Peter in Griesbach bei Pfaffenhofen an der Ilm
Ca. 5 km nordöstlich von Pfaffenhofen an der Ilm, im südlichen Ausläufer der Hallertau, findet sich an einem seitlichen Einschnitt des Ilmtales ein Weiler namens Griesbach. Hier, wo die Bistümer Freising, Regensburg und Augsburg zusammenlaufen und einst ein viel befahrener Altweg nach Geisenhausen hinüber führte, gibt es seit dem Hochmittelalter nur zwei Höfe, von denen der eine den bedeutungsvollen Hausnamen "Moirhof" trägt. Zwischen diesen beiden Höfen steht auf einer Anhöhe, nicht exakt geostet, sondern vielmehr sich an einem talwärts auslaufenden Geländesporn nördlich des Hohlweges orientierend, die romanische Chorturmkirche St. Peter.

Es handelt sich um einen eigenartigen Kirchenbau aus Backstein, bei dem der himmelragende, über 4 Etagen sich erstreckende Chorturm in seiner Wuchtigkeit und Höhe mit dem äußerst schlichten, zierlosen und niedrigen Kirchenschiff kontrastiert. Die schmucklose Westfassade ist von einem hohen Fundamentstreifen aus Backsteinen mit zwei zusätzlichen schrägen Eckpfeilern unterfangen, welche der Kirche bis heute trotz des abschüssigen und sandigen Terrains erstaunlichen Halt und Festigkeit geben.

Nach Georg Dehio, Band München und Oberbayern, wird der Turm der Griesbacher Kirche ins 13. Jahrhundert, Langhaus und Turmaufsatz ins 14. Jahrhundert, das Kreuzrippengewölbe und die Decke des Schiffs ins 15. Jahrhundert und die Innenausstattung ins frühe 16. Jahrhundert datiert. [03]

In einigen Punkten sind nicht nur wegen der Urkundenlage, welche wir weiter unten etwas detaillierter darstellen, sondern auch wegen des Patroziniums und baulicher Eigenheiten berechtigte Zweifel angebracht:

Der aus vier Kuben bestehende Turm mit seinen durchgehenden Ecklisenen und Quergesimsen, seinen langen Schlitzfenstern und den gedrückt-spitzbogigen Schallöffnungen des Glockengeschoßes trägt unverkennbar Stilelemente der lombardischen und burgundischen Romanik in sich, so wie sie, die Gotik bereits vorausahnend, in den betreffenden Regionen schon im 11. Jahrhundert nachweisbar sind. Daneben mögen am Kirchturm von Griesbach auch lokale und regionale resp. oberbayerische Einflüsse wirksam geworden sein; er selbst wird mit seinen Lisenen und Querbändern wiederum zum Vorbild vieler Kirchtürme der altbayerischen Gotik. [03a]

Die zahlreichen Gerüstlöcher belegen, dass der Turm in einem Zug erbaut wurde und nie verputzt war. Da die Aussparungen bis ins Innere des Turmes hinein sauber, d. h. mit Grund- und Deckplatte, ausgeführt sind, steht zu vermuten, dass sie sogar zur Durchlüftung des Turmes auf Dauer verbleiben sollten.

Ziegelverband der Kirche St. Peter mit im Detail stark differierenden Backsteinmaßen.
Im Verband der harten und witterungsbeständigen Backsteine der Außenfassade mischen sich die sauber und gleichmäßig gemauerten Eckprofile mit Wandabschnitten unregelmäßigerer Struktur inklusive der Verwendung von Ziegelbruch, so daß möglicherweise Maurer unterschiedlicher Fertigkeit am Werk waren. Eine Vermaßung der einzelnen Ziegelelemente zeigt, dass die Backsteinproduktion vor Ort noch im Handstrich, freihändig und nicht mit konfektionierten Modeln erledigt worden war. Diese Methode und das am Turm umlaufende Fries aus rundbogigen Blendarkaden mit Deutschem Band weisen zurück ins 12. Jahrhundert.

Dass das Kirchenschiff einst ein inzwischen rückgebautes Obergeschoß getragen hätte, ist sehr unwahrscheinlich, wie der makellose Wandanschluss zwischen Schiff und Turm zeigt. Auch die Neigung des Schiffsdaches scheint, wie die Innenseiten der Giebel zeigen, von Anfang an dieselbe gewesen zu sein.

Das Glockengeschoß der Kirche ist wegen der gedrückt-spitzbogigen Schallöffnungen am ehesten der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts zuzuordnen, wobei die Außenschale des östlichen Giebelfeldes mit ihrem differierenden Material und über Eck stehenden Vertikal-Bändern wohl im 14. Jahrhundert erneuert wurde, was Dehio zur einer irreführenden Datierung Anlass gab.

Am Turm selbst fehlt ein äußerer Obereinstieg, seine Obergeschoße werden über einen sauber ausgemauerten, einst mit einer Flügeltür versehenen Durchbruch im Dach des Schiffes betreten, welcher keine Verriegelungsvorrichtungen wie z. B. Balkenläufe zeigt. Die beiden nachfolgenden Turmgeschoße enthalten hölzerne, über steile Holzstiegen erreichbare Bohlendecken, deren Tragebalken jeweils auf den Gesimsen zweier Mauerrücksprünge liegen. Ganz oben steht der hölzerne Glockenstuhl aus neuerer Zeit. Bei einer solchen Disposition waren die oberen Turmgeschoße für eine "Feindeswehr", wie die Ortstradition unterstellt, kaum geeignet, man hätte sie leicht über die Schiffdecke einnehmen und ausbrennen können, ohne den darunter liegenden Sakralraum des Chores zu verletzen. Der Turm diente zweifelsohne von Anfang an überwiegend repräsentativen Zwecken! Insofern fällt diese Kirche aus dem Rahmen der hier vorgestellten Kirchen etwas heraus (siehe hierzu weiter unten das Kapitel "Bisherige Theorien über die Funktion der Obergeschoße").

In Zusammenhang mit dem gänzlichen Fehlen einer Westempore ist auch ein früher beigestelltes Herrenhaus eher unwahrscheinlich, wogegen ja auch das hier stark abgetiefte Terrain spricht. Mit anderen Worten: Die Kirche war in allen Zeiten immer nur von zwei Höfen gesäumt, wobei der bergseitige schon wegen seines Hausnamens (Moirhof = Zehenthof) mit Sicherheit der ältere und ursprüngliche, und der talseitige wegen der Platzierung seines Haupthauses innerhalb der alten Wegetrasse zur Ilmfurt der jüngere, später hinzu gekommene ist.

St. Peter in Griesbach in den Apian'schen Landtafeln von 1568.
Insofern gibt die nebenstehende, frühe Darstellung der Kirche der Apian'schen Landtafeln von 1568 einen missverständlichen Eindruck wieder: Wenn hier der im Vergleich zu allen Nachbarkirchen der Umgebung überhöhte Kirchturm von St. Peter mit einem fenstertragenden, mindestens zweistöckigen Baukörper versehen dargestellt wird, so spiegelt dies nicht die Existenz eines feudalen Herrenhauses wider, sondern betont allein die herausragende Rolle der Kirche als solche - eine Rolle, die offensichtlich noch im 16. Jahrhundert, zwischen Reformation und Dreißigjährigem Krieg, unvermindert galt. Die eigentliche Disposition der Kirche im historisch getreuen Detail dürfte der bayernweit tätige Zeichner vermutlich gar nicht gesehen haben, dennoch ist diese Zeichnung ein schöner Bildbeweis für die Bedeutung der Kirche in einer für die Landkirchen nahezu dokumentenlosen Zeit: Die Monumentalität des Turmes der Griesbacher Kirche machte der Intention seiner Erbauer nach Eindruck auf die bayerische Bevölkerung bis hinein in die Neuzeit!

Dennoch verrät die Dysproportion der Baukörper von Turm und Schiff, die unterschiedlichen Geschoßhöhen des Turmes und die divergierenden Dachneigungen von Turm und Kirche, dass die Erbauer keine ausgewiesenen Experten im romanischen Kirchenbau waren, sondern eher ortsansässige Meister, die ihre Kenntnis der verwendeten Stilelemente vielleicht von Auslandsreisen im Rahmen der Kreuzzüge mitgebracht hatten, und ansonsten beim Bau erst hinzulernen mussten.

Alles in allem dürfte der Griesbacher Kirchenbau um Einiges früher, als es Dehio will, vielleicht schon zum Ende des 12., spätestens aber bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts errichtet worden sein, was ja auch durch die Quellenangaben eines Ministerialensitzes im 12. Jahrhundert untermauert wird.

Diese Datierung gilt natürlich nicht für den ausladenden gotischen Chorbogen im Inneren der Kirche und das stilistisch gleiche, insgesamt aber deutlich überproportionierte Nordportal. Beide entstanden, vermutlich unter Beseitigung der Vorgängerstrukturen, erst bei einer Umbauphase im 14. oder 15. Jahrhundert. Der Einbau der niederen gotischen Schiffs-Decke aus Holz erfolgte zu noch späterem Zeitpunkt, da deren Niveau die Spitze des gotischen Chorbogens unterschreitet, was auf einen nicht ganz gelungenen Kompromiss zwischen Alt und Neu hindeutet. Die Wände des Kirchenschiffes und des Turmuntergeschoßes wurden durch Fenstereinbrüche in der Barockzeit zusätzlich malträtiert, die spätromanischen Fensterelemente dadurch komplett beseitigt. Die figurale Innenausstattung der Kirche aus dem 16. Jahrhundert, insbesondere die Madonna mit der Birne, gilt als kunstgeschichtlich sehr wertvoll.

Bei der Griesbacher Kirche St. Peter handelt es sich im Vergleich mit den hier vorgestellten Kirchen um ein Unikat, welches das bekannte Muster der Obergeschoßkirchen (i. d. Regel einfache Apsiden- oder Chorturmsäle mit Profangeschoß) verlässt, um einen frühen Prototyp der einsetzenden Gotik darzustellen, ein Vorbild für viele spätere Turmbauten der Region. Wenn die Kirche in dieser Aufstellung ihren Platz findet, dann wegen ihrer Nähe zum Pabonengeschlecht, welches in den folgenden Kapiteln noch ausführlich vorgestellt werden wird.

Sonstige Regionen

Die folgenden Kirchen liegen nicht in Altbayern und überschreiten damit formal den Rahmen dieser Arbeit, sie sollen dennoch nicht unerwähnt bleiben, da sie die Kriterien der Obergeschoßigkeit zu Genüge erfüllen und interessante historische Bezüge aufweisen.

St. Nikolaus in Emmereis/Allgäu:

St. Nikolaus - die älteste Kirche des Allgäus in Emmereis bei Rettenberg
Die an einigen Bauernhöfen gelegene, wohl älteste Kirche des Allgäus wurde in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts aus großen Roll- und Bruchsteinen in der Nähe eines Burgstalls errichtet. Sie ist unter den hier vorgestellten Obergeschoßkirchen sowohl architektonisch als auch historisch ein Unikat (zur Entstehungsgeschichte mehr weiter unten). Der Chorturm trägt über einer Gewölbetonne ein profanes Obergeschoß und weist eine Rundapsis im Osten auf. Der Ansicht, dass das in der Tonne gewölbte Schiff früher flachgedeckt war, kann man sich nicht vorbehaltlos anschließen; dagegen spricht die einmalige Disposition des Obereinstiegs in den Turmraum, hoch oben unter dem Gewölbe des Schiffs, in der Mitte der Ostwand des Turmes über dem Triumpfbogen.

Obergeschoßeinstieg am Chorbogen
Als Außenöffnungen der Erbauungszeit sind Luft- und Lichtscharten unter der Traufe, ein heute zugesetzter Südeingang, der sich ungewöhnlich in einigen Metern Höhe direkt an den Chorbogen anschließt, sowie ein ebenfalls zugesetztes südliches Apsisfenster erkennbar, welches im Inneren ornamentiv in die reiche Freskomalerei einbezogen war.

Alle anderen Öffnungen (Westtor, Rundbogenfenster, Okuli) sind wohl Relikte von Renovierungen aus der Zeit der Gotik und des Barock. Die Stilsünden der Barockzeit wurden glücklicherweise in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts zugunsten des originalen Innenraumes wieder etwas zurückgenommen. Im Inneren finden sich zahlreiche Fresken aus dem 12./13. Jahrhundert, darunter ein Christus Pantokrator in der Apsis, Szenen aus der Vita des Heiligen Nikolaus und dem Wirken Jesu Christi (im Stil einer Biblia pauperum) sowie eine überlebensgroße Darstellung des Christophorus an der Nordwand, gegenüber dem Südeingang. Ob eine Rittergestalt am rechten Chorbogen - der sogenannte "schwarze Ritter von Emmereis" - den Erbauer der Kirche wieder gibt, bleibt spekulativ.

Kirche St. Peter im Kloster Marienburg bei Abenberg/Mittelfranken

In Franken, dem einstigen Ostfranken, wurden wir, was den Nachweis von Profangeschoßkirchen anbelangt, nicht fündig - mit einer denkwürdigen Ausnahme:

Grabplatte der seligen Stilla von Abenberg in der Klosterkirche Marienburg
In Sichtweite der Stadt und Burg Abenberg im südlichen Mittelfranken befindet sich das Stift Marienburg. Das Kloster, welches 1482 von Fürstbischof Wilhelm von Reichenau gestiftet wurde und einige Jahrhunderte bestand, lag nach der Säkularisation über ein hundert Jahre verwaist, ehe es seit 1920 wieder benutzt wurde. Inzwischen ist es vollständig renoviert; die "Kongregation der Schwestern von der Schmerzhaften Mutter" hat das Kloster zu ihrem Mutterhaus erkoren.

Es befindet sich an dieser Stelle eine heute noch vitale Wallfahrtsstätte, das Grab der sogenannten "Seligen Stilla von Abenberg". Stilla war der Legende nach eine Grafentochter, welche im 12. Jahrhundert ihrer Adelswürde entsagte, um sich mit drei Gefährtinnen der Fürsorge der Kranken und Schwachen zu widmen und in Sichtweite der Burg Abenberg auf einem südlichen Hügel eine Kirche zu stiften, in der sie begraben werden wollte: St. Peter - nach anderen Quellen auch St. Peter und Paul.

Das Stiftergrab der Stilla von Abenberg ist, wenn auch vielfältig im Laufe der Zeit verändert, im Nachfolgebau der Kirche, welche bereits 1480 als ruinös beschrieben und spätestens 1675 ganz zerstört wurde, noch vorhanden. Bedeckt wird die Tumba zum Teil von der originalen Grabplatte aus der zweiten Hälfte des 12. oder ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Das Relief zeigt neben einer wenig künstlerischen Darstellung der frommen Frau in derer Rechten eine Kirche mit einem hohen romanischen Chorturm und einem ebenfalls hohen Schiff, welches an der abgebildeten Nordwand eine doppelte Reihe von Fenstern aufweist. Dieses Modell, an dessen Authentizität es keinen Zweifel gibt, entspricht vollständig dem hier vorgestellten Kirchenbautypus. Wir wollen deshalb die romanische Kirche St. Peter von Abenberg in die Reihe der abgegangenen Obergeschoßkirchen einfügen und weiter unten darlegen, welche besondere Bewandtnis es mit dieser Kirche und ihrer Gründerin hat.

Im Jahr 1480 muss der Chorturm bereits in sich zusammengestürzt und der Rest der Kirche derart baufällig gewesen sein, dass ein Visitationsbericht des Eichstätter Kanonikus Johann Vogt davon sprach, "es würde zu einem massiven Zustrom an Gläubigen zum Grab der seligen Stilla kommen, wenn nur der Chor neu errichtet und einiges andere in Stand gesetzt würde" [04].

Die Renovierung muss dann im Rahmen der Errichtung des Klosters Marienburg in den anschließenden Jahren tatsächlich stattgefunden haben, um 1570 zeigen zeitgenössische Abbildungen die Kirche mit einer halbrunden Apsis, deren Dach bis zum Fachwerkgiebel reichte. Die Kirche hatte zu diesem Zeitpunkt ein Nordtor, dieses und die Apsis waren flankiert von je zwei Fenstern. Den vormaligen Turm ersetzte ein Dachreiter.

Zwischen 1624 und 1627 wurde dieser Kirchenbau erweitert, das Schiff überwölbt (vermutlich unter Auflösung des vormaligen Obergeschoßes), allerdings zerstörte bereits 50 Jahre danach ein Großbrand diesen Bau 3 der Kirche vollständig. Aber 1679 begann dann der Wiederaufbau in der heutigen Gestalt.

Von der Stilla-Kirche des 12. Jahrhunderts blieb ebenso wenig wie von der damaligen Grafenburg. Eine archäologische Exploration vor einigen Jahren erbrachte den interessanten Befund eines mittelalterlichen Turmbaus aus den Jahren 1130/1140, mit einem Grundriss von 15,6 x 14,6 Metern, der zwischen 1162 und 1683 der Spitzhacke zum Opfer gefallen sein muss. Diese Burg der Abenberger aus der Zeit Stillas muss in seiner Dimension und seinem Aussehen dem Turm von Felben im Pinzgau oder z. B. auch der Turmburg von Rattenberg am Inn weitgehend entsprochen haben. Was es mit diesen Türmen auf sich hat, wird weiter unten noch besprochen werden.

Weyertrum bei Bramberg im Pinzgau
Sogenannter Weyer-Turm bei Bramberg am Wildkogel:

Der am Rand des Salzachtales gelegene und im 12. Jahrhundert aus großen Steinquadern in einem Zug errichtete Turmbau gehörte einst zum Herzogtum Bayern. Es handelt sich nicht, wie der Name suggeriert, um einen profanen Wohnturm mit zusätzlicher Kapelle, sondern um eine typisch konfigurierte Profangeschoßkirche mit flacher Rundapsis, einem sakralen Unter- und mehreren profanen Obergeschoßen. Alle Stockwerke waren einst durch Bretter-Bohlen-Decken voneinander getrennt und durch Schartenfenster belichtet. Zur hölzernen Westempore führte einst ein Obereinstieg in der Westwand; für eine geplante Herrschaftsbrücke sprechen die äußeren Balkenlöcher (siehe Bild). Putzreste finden sich in der Apsiswölbung; dort und auf der Empore bestehen auch eingebaute Sakramentnischen. Beigestellt war im Osten ein heute nur noch in kümmerlichen Resten erfassbarer Herrenbau, wohl Sitz der schon 1130 erwähnten Landedlen von Weyer.

 

 
 

Kirche St. Nikolaus und romanischer Turm in Felben bei Mittersill:

Turm mit Obereinstieg und Kirche St. Nikolaus in Felben
Wenige Kilometer im Osten des Weyerturms findet sich ein weiterer romanischer Turm ähnlicher Bauart, mit zwei Profangeschoßen, einem äußeren Obereingang an der Nordwand und mehreren Lichtscharten. Der Turm wird den Grafen von Lechsgemünd zugeschrieben, welche im 12. Jahrhundert den Oberpinzgau als Lehen verwalteten. Heute ist im Turm ein Heimatmuseum untergebracht.

Beigestellt ist die Kirche St. Nikolaus, welche nach früherer Ansicht um die Mitte des 13. Jahrhunderts errichtet und in der Gotik gewölbt und mit einem Choranbau versehen wurde. Im aufgehenden Mauerwerk finden sich romanische Anteile aus Schichtmauerwerk, die Lage zweier romanischer Fenster ist am Verputz der Nordwand durch Kellenstriche markiert. Auffallender als diese Markierungen sind zwei romanische Kragsteine, welche von einem beträchtlichen Wandstück überragt werden, was auf die vormalige Überhöhung mit einem Profangeschoß hinweist. Einer der beiden romanischen Kragsteine zeigt dabei ein Stabprofil, gerade so wie bei den Kirchen des Altmühl-Donau-Raumes (Ilmendorf, Aicholding, Forchheim, Deising, Baiersdorf, Breitenfurt, Attenfeld, Oberulrain).

 


Damit endet die Liste der romanischen Landkirchen mit vorhandenem oder abgegangenem Profangeschoß in ehemaligen Herzogtum Bayern. Wenn man berücksichtigt, in welch hohem Maß diese Kirchen in späterer Zeit transformiert wurden - meist bis zur Unerkenntlichkeit des romanischen Baus - und wie diskret die Nachweiskriterien im Einzelfall ausfallen, ist man geneigt, eine beträchtliche Dunkelziffer anzunehmen.

Nach dem Chronisten von Ebrantshausen (siehe unten) sollen sich im westlichen Donaugau noch zahlreiche weitere Kirchen mit profanem Obergeschoß befunden haben, z. B. in Irnsing oder Eschelbach, doch reichen die heutigen Merkmale dieser Kirchen nicht aus, um sie in das obige Verzeichnis aufzunehmen [05]. Gleiches gilt für die durch romanische Zierelemente der Donauschule ausgezeichneten Kirchen von Tholbath und Bad Gögging. Viele andere Landkirchen in der Gegend von Neustadt an der Donau und Abensberg, z. B. in Altdürnbuch, Heiligenstadt (dort wohl Reste einer ehemaligen Templerkapelle; siehe weiter unten), Oberulrain, Niederulrain, Sittling, abgegangen in Gilla (Gillamoos = St. Gilg am Moos) und anderen Orten entstammen derselben Bauperiode und dürften ebenfalls zum großen Teil mit Obergeschoßen ausgestattet gewesen sein.

Gleiches gilt für etliche Kirchen des Kelsgau, z. B. in Menning, Rockolding, Forchheim, Ettling, Oberoffendorf, Oberhaunstadt oder Lobsing. Die Vorgängerbauten der Kirchen von Gungolding, Walting, Deuerling waren vermutlich ebenfalls Obergeschoßkirchen, erstere mit einem Westturm. In Isenbrunn zwischen der Obergeschoßkirche von Rieshofen und Pfalzpaint steht auf einer Anhöhe die Laurentiuskirche. Diese weist im Chorturm einen nur über den Dachboden des Kirchenschiffs betretbaren Obergeschoßraum auf. Obwohl sie damit die Kriterien einer Profangeschoßkirche erfüllt, haben wir auf eine Aufnahme in dieses Repertorium verzichtet, da die Kirche aufgrund baulicher Eigenheiten weit vor das 12. Jahrhundert datiert wird.

Nach dem Kirchenhistoriker Joseph Georg Suttner [06] müssen einst derartige Obergeschoßkirchen auch im Bistum Eichstätt in großer Zahl vorhanden gewesen sein; allerdings konnten wir bis auf die oben genannten keine weiteren mehr eindeutig identifizieren.

In Niederbayern erbrachten archäologische Explorationen an zuvor nicht als romanisch geltenden Kirchen überraschend romanische Befunde und auch Hinweise für eine mögliche Obergeschoßigkeit, z. B. bei den Kirchen von Feldkirchen bei Straubing (hohe Lichtscharte bei Freilegung der romanischen Südwand), Bachling (Mauerstück über Zackenfries), Niedermünchsdorf (Mauersprung an der Ostfassade). Die Kirche von Obermotzing an der Donau, bei der entgegen früherer Auffassung sowohl Chorturm als auch Langhaus aus sorgfältig gehauenen Großquadern errichtet waren, hat später im Bereich der Westwand und der Mauerkronen derartige Veränderungen erlitten, dass heute eine Obergeschoßigkeit nicht mehr zu beweisen ist, obwohl diese allein wegen der Nähe vieler anderer Obergeschoßkirchen angenommen werden kann [07].

Gleiches gilt für eine ganze Reihe von Kirchen im südlichen Bistum Regensburg, z. B. in Gundhöring (romanische Fenster), Pötzmes (Hand- und Großquaderbau, Skulptursteine, Südportal mit Rundbogen und Kreuzrosette), Leibersdorf (Groß- und Buckelquader, romanische Rundbogenfenster), Moosberg (romanische Fenster), Moosthenning (Rundapsis über zwei Stockwerke, romanische Rundbogenfenster), Großweiher bei Mooshenning (Südportal, romanisches Backsteinmauerwerk mit Fries und darüber gelegenem Mauersturz, kleines vermauertes Schlitzfenster), Wolfshausen (hochsitzendes romanisches Fenster an der Südwand mit behauenem Steinrahmen aus einem Stück), Trieching (Rundapsis, Eckquaderung), Gailsbach (romanisches Südportal mit Quaderfassung), Obermünchen (hohes romanisches Fenster in Höhe der Empore, an der Südwand), Unterröhrenbach (romanische Blendarkaden an Südwand und Chorturm, dort mit deutschem Band). All diese Dorfkirchen sind im südlichen Bistum Regensburg, zwischen Donau und Isar, gelegen.

Die spätromanischen Kirchen von Gummering und Ottending am Isartal erfüllen von der Ortslage und der hochaufragenden Bauweise her besonders augenfällig die Kriterien von Obergeschoßkirchen, bei genauerer Inspektion lassen sich jedoch auch hier keine sonstigen Kriterien für eine derartige Konstruktion ausmachen, zumal die Kirchenbauten, die vielleicht noch im 12. Jahrhundert begonnen wurden, im 13. Jahrhundert größere Umbauten im gotischen Stil erfuhren.

In Kleinviecht zwischen Freising und Moosburg hat sich ein besonders origineller Bau einer Obergeschoßkirche erhalten, bei der die nach Osten verlängerte, halbrunde Apsis mit einem gleichgeformten Obergeschoß überbaut ist und der kleinen Kirche zu einem festungsartigen Charakter verhilft. Allerdings wird dieser Turmbau von den meisten Inventarien in das 13. Jahrhundert datiert, so dass er innerhalb dieser Untersuchung ebenfalls keine Berücksichtigung fand.

Analog zu Pfalzpaint erkannt man im Turmstumpf von Harlanden bei Riedenburg einen Herrenbau des 12. Jahrhunderts mit Obereinstieg; ob es sich bei dem tonnengewölbten Erdgeschoßraum mit quadergefassten Nordeingang um einen Sakralraum (dann ohne Apsis) gehandelt hat, muss offen bleiben. In Schönleiten bei Regenstauf wurde vor einigen Jahren ein profaner Turmbau aus dem 12. Jahrhundert abgerissen, ob sich in ihm eine Kapelle befand, lässt sich heute nicht mehr entscheiden. Diese Turmbauten entsprachen einst kleineren Ministerialensitzen; die Dimension der Türme im Pinzgau oder auch in Abenberg (siehe oben) wurden hierbei nicht erreicht.

Bauliche Reste einer romanischen Obergeschoßkirche vermuten wir auch im aufgehenden Mauerwerk einiger Kirchen der westlichen und südlichen Oberpfalz, z. B. in Rackendorf (Kalkstein-Quaderbau, Kragsteine), Großschönbrunn (Sandstein-Quaderbau mit hochsitzenden Rundbogenfenstern), Pettendorf (Sandstein-Quaderbau mit deutlichen Spuren eine Herrenbrücke), Penk (mehrfach erweiterter Ottonenbau aus der Zeit um 1000, bei dem man einen Obereinstieg und ein abgegangenes Herrenhaus vermutet), Siegenstein (Kapelle an einer Burg mit Obereinstieg zur Westempore), Kallmünz (Burgkapelle mit Spuren einer Westempore), Eich bei Kallmünz (Lage auf einer Terrasse über der Naab), Dinau (Apsidensaal mit doppeltem Mauerversatz im Inneren), Emhof (typische Lage, freigelegtes romanisches Nordportal), Winbuch (typische Lage, Apsidensaal mit zugesetztem Südportal, gekehlter Sockel), Pottenstetten (sehr hoher Apsidensaal in typischer Lage), Premberg (typische Lage, romanischer Turm, freigelegtes romanisches Südportal), Klapfenberg (Nachbarort von Oberweiling; einst Westgiebel von über 1 m Mauerstärke vorbeschrieben) und Hardt.

Von den Obergeschoßkirchen her bekannte Bautechniken (Quadertechnik, hohe Wandstärken, Aufgang innerhalb der Mauerstärke, romanische Wölbung, Zweigeschoßigkeit) haben auch im Urbau der Klosterkirche Reichenbach am Regen Anwendung gefunden.

Etliche Burgen der südwestlichen Oberpfalz, heute z. T. in Ruinen liegend, dürften wegen ihrer spezifischen Bautradition aus Obergeschoßkirchen hervorgegangen sein oder zu solchen einen räumlichen Bezug aufgewiesen haben (z. B. die Adelburg, Lupburg, Ödenburg, Altenburg, Breitenegg). Für Burg Laaber und Schloss Prunn ist dies durch jüngste Forschung weitgehend nachgewiesen [08]. Auch der Burgstall "Alte Kirche" alias "Hofberg" bei Unterwiesenacker und eventuell auch der Martinsberg bei Hohenburg könnten einst eine Obergeschosskirche getragen haben.

In Oberbayern und im Nordalpenraum erwecken vergleichsweise viel weniger Kirchen den Verdacht früherer Obergeschoßigkeit. Einzelkandidaten finden sich aber auch hier, z. B. in Gaden am Waginger See (Okulus an der Ostfassade des einstigen Langhauses), in Kaprun (Burgkapelle St. Jakob) oder in St. Georgen im Unterpinzgau.

Andere Kirchenbauten haben über dem Kirchensaal zwar sicher ein Profangeschoß aufgewiesen, sind aber entweder typologisch so verschieden von den hier besprochenen Kirchen oder so spät nach dem 12. Jahrhundert erbaut worden, dass wir sie von vornherein ausschlossen. Hierzu zählen z. B. in Deutschland die doppelgeschoßigen Johanniterkirchen in Niederweisel, Mosbach und Neckarelz.

Gleiches gilt für die alpinen Johanniterhospize in Taufers im Münstertal, in Tarsch und St. Florian an der Etsch, auch für diverse Burgkapellen, z. B. die Kapelle von Landsberg bei Hall, für die doppelgeschoßige Marienkapelle vom Ludwigsstadt, die Kapelle des Castelletto in Trient, außerdem eine ganze Reihe von gotischen Wehrkirchen mit Obergeschoß in Ostösterreich, z. B. im Wechselland und in der Buckligen Welt. Auf letztere werden wir allerdings weiter unten bei der Besprechung romanischer Profangeschoßkirchen in Niederösterreich noch Bezug nehmen.

Im nördlichen Sachsen-Anhalt, in der sogenannten Altmark, findet man noch heute über 400 romanische Landkirchen des 12. und 13. Jahrhunderts (meist aus Findlingen und Feldsteinen, mitunter auch aus Backstein erbaut), welche in der Regel sehr niedrige Schiffe und Rechteckchöre mit Satteldach (alternativ auch Apsiden-Chöre) aufweisen, aber über einen querrechteckigen, zum Teil sehr hohen Westturm (selten Ostturm) verfügen, welcher ebenfalls nur über einen Obereinstieg in mehreren Metern Höhe betreten werden kann. Als Beispiele nennen wir die Kirchen in Dahlen, Büste, Rochau, Armin. Diese zahlreichen Kirchen kommen, was die zu vermutende Funktionalität der Turmobergeschoße anbelangt, den hier vorgestellten Kirchen sehr nahe, sind aber durch die in der Regel schiffsbreiten, zum Teil sehr mächtigen Westbauten bautypologisch so verschieden, dass sie hier ebenfalls unberücksichtigt bleiben, wenngleich eine vergleichende Betrachtung durchaus lohnen könnte [09].

Obergeschoßkirche Lille Heddinge
Ähnliches gilt für die z. T. sehr alten Kirchen der Insel Bornholm und in anderen Teilen Dänemarks (z. B. in Lille Heddinge auf Seeland; siehe nebenstehendes Bild), auch in Norwegen und Schweden. Mitunter weisen auch diese z. T. ein oder zwei profane Obergeschoße auf, außerdem Attribute wie Aufgänge in der Mauerstärke, Licht- und Luftscharten, so dass man vermuten kann, ihre Funktion sei derjenigen der hier vorgestellten Kirchen gleich gewesen. Dennoch blieben sie unberücksichtigt, wegen der gänzlich verschiedenen Bauform (z. B. wuchtiger Westturm in Lille Heddinge) und den Differenzen in Datierung, geographischer Lage und Historie.
 
 


[01] Siehe KdB, Mittelfranken, Bd. 2, Bezirksamt Eichstätt, München 1928, S. 261.

[02] Zur Problematik des Bergfrieds siehe auch die Kapitel "Die Kapelle am Herrensitz" und "Theorien über die Funktion der Obergeschoße" weiter unten.

[03] Dehio Oberbayern, 2. Auflage 1990, S. 374.

[03a] Die Auflösung des romanischen Rundbogens zum Spitzbogen findet sich z. B. an den seitlichen Schiffsarkaden der nahen, zeitgleich errichteten Kirche Ilmmünster, aber selbst in einer romanischen Obergeschoßkirchen, z. B. am Chorbogen der Kirche St. Georg im Thal. Die romanischen Gurtgesimse und Ecklisenen sind an den Türmen größerer, romanischer Hallenkirchen Oberbayerns nachweisbar, z. B. bei den Kirchen von Thanning, Altenstadt und Steingaden im Schongau, Pürgen, Tegernbach, Fröttmaning, Taufkirchen, Ebersberg, Asbach, Palweis u. v. a. m. Wieder aufgenommen finden sich diese Stilelemente an unzähligen gotischen Kirchtürmen Altbayerns, nunmehr meistens den Schiffen beigestellt, in der Regel verputzt, deutlich schlanker und höher, und häufig mit Treppengiebeln versehen. Als lokale Beispiele seien nur die Kirchen der Griesbach unmittelbar benachbarten Orte Affalterbach, Walkersbach und Uttenhofen genannt.

[04] Diese und die nachfolgenden Informationen zur Kirche der seligen Stilla entnahmen wir aus F. X. Buchner: Die selige Stilla, Gräfin von Abenberg, Eichstätt 1936. Zum Turmbau von Abenberg siehe J. Zeune: Die Burg Abenberg im Hochmittelalter, in: Heinatkundliche Streifzüge, Schriftenreihe des Landkreises Roth, Heft 16, 1997, S. 39ff.

[05] Nach J. B. Schmid: Ortschronik Ebrantshausen, 1943, unveröffentlichtes Dokument, S. 199.

[06] Pastoralblatt des Bisthums Eichstätt, Bd. 5, Eichstätt 1858, N.N.: Lieb-Frauen-Chronik des Bisthums Eichstätt. Im Pastoralblatt, Bd. 9, S. 220, findet sich eine Aufstellung von Kirchen im Visitationbericht Priefers von 1601/1602. Hier wird z. B. über die Kirche von Walting gesagt, "sie sei vordem ein Schloss gewesen, worauf in der That die dicken Mauern und kleinen Fenster hinweisen", also typische Merkmale einer Obergeschoßkirche.

[07] Siehe K. Böhm und K. Schmotz: Archäologische und baugeschichtliche Untersuchungen an Sakralbauten in Niederbayern, in K. Schmotz: Vorträge des 22. Niederbayerischen Archäologentages, Deggendorf 2004, S. 171ff.

[08] A. Wiesneth: Von der Burg zum Schloss: Bauforschung an der Burg Prunn, in: S. Karnatz, U. Piereth, A. Wiesneth: "Umb die vest prunn", München 2012, S. 70ff.

[09] Siehe z. B. F. Ehmke: Kirchen der Altmark, Fürstenwalde 2010. H. Scholke: Stille Schönheit, romanische Feldsteinkirchen in der Altmark, Berlin 1993. D. Kaufmann, H. Schulze: Die romanischen Backsteindorfkirchen in der Altmark und im Jerichower Land, Studien zur Kleinkirchenarchitektur an der Mittelelbe und im südlichen Ostseeraum, Reihe: Bau + Kunst. Schleswig-Holsteinische Schriften zur Kunstgeschichte (Band 19). Informativ in diesem Zusammenhang auch die Internetseite www.altmarkkirchen.de bzw. die bautypologische Einordnung unter www.altmarkgeschichte.de.

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