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Die romanischen Landkirchen mit profanem Obergeschoß

Kirchen mit abgegangenem oder möglichem Profangeschoß und typenverwandte Kirchen - Fortsetzung

  • Niederbayern

  • Kirche Mariä Himmelfahrt in Oberndorf an der Donau:

    Einschiffiger Gewölbebau mit gotischem Nordwest-Turm, in dessen Untergeschoß Vorhalle zum Eingang. Überwiegend gotischer Kirchenbau, Basis des Langhauses und Teile des Turms aus romanischer Zeit. Repräsentative Türöffnung in der Langhauswand zu einem profanen Obergeschoß. Relativ tiefsitzende Langhausfenster als weiterer Hinweis auf frühere Doppelgeschoßigkeit.

    St. Peter in Obermantelkirchen:

    Bis vor kurzem galt die Kirche als ein Bau der Barockzeit. In den Jahren 2000/2001 Freilegung einer romanischen Langhaus-Südwand aus sorgfältig behauenen Sandsteinquadern, dabei Darstellung des vormaligen Südportals, daneben ein zugesetztes rundbogiges Fenster, unter der Traufkante zwei Lichtscharten, wohl einst zu einem aufgelassenen Obergeschoß gehörig. Einstiger Obereingang an der Nordwand noch heute von innen zu erkennen.

    St. Jakob in Mühlhausen bei Neustadt a. d. Donau, ehedem Forstdürnbuch:

    Chorturmkirche aus sorgfältig behauenen Kalkstein- quadern, mit vormaligem Profangeschoß im Turm, in der Barockzeit stark transformiert. Das Mauerwerk aus Kalkstein wurde 1987 im Rahmen einer Restaurierung freigelegt, an der Westwand links oben gut erkennbar ein vormaliger Obereinstieg. Sehr schön gearbeitetes Rundbogenportal mit profiliertem Kämpfer an der Südwand, darüber ein romanischer Okulus, an der Ostwand des Chores kleines Rundbogenfenster. Ein weiterer Obergeschoßeinstieg rechts innen an der Chorwand, heute zugesetzt. Romanische Sakramentnischen beidseits des Presbyteriums. Sämtliche Strukturen aus der Erbauungszeit. Zahlreiche Umbauten aus der Barockzeit, reizvolle barocke Innenausstattung.

    St. Andreas in Geibenstetten:

    Wenige Kilometer von St. Jakob in Mühlhausen entfernt liegt die kleine romanische Kirche von Geibenstetten, sorgfältig aus Kalksteinen errichtet, wohl aus derselben Bautradition wie St. Jakob stammend. Reizvolles Südportal mit profiliertem Kämpfer und gegenständlichem Tympanon (Kreuz, Lamm, Köpfe, Stern und Schlangen) sowie erhaltenen Kragsteinen an den Traufen. Ein an der Nordwand befindlicher Obereinstieg belegt trotz der Kleinheit der Kirche den vormaligen Obergeschoßbau. Niedrige Rundapsis mit barockem Überbau und seitlichem Rundbogenfenster. Schlitzfenster über dem Portal. Alle anderen Fensterelemente unter Zerstörung der romanischen Strukturen barockisiert.

    St. Nikolaus in Piedendorf bei Au in der Hallertau:

    Kleiner romanischer Backsteinbau des 12. Jahrhunderts, weiß getüncht, mit einem weitgehend abgetragenen Obergeschoß. An der Chorsüdseite ehemaliger Einstieg ins Obergeschoß, heute zugesetzt.

    St. Koloman in Thonhausen bei Freising:

    Romanische Chorturmkirche aus Backstein, im 17. Jahrhundert verändert und angebaut. Auf das profane Obergeschoß deuten überhöhte Langhausmauern und an der Südseite freigelegte Lichtscharten hin. Unter dem Dachansatz des romanischen Langhausteils doppeltes Deutsches Band und andere Zierelemente aus Backstein. Innen heute massive Überwölbung, der Westteil mit einer Leibung aus Holz. Ähnlichkeit mit der Kirche St. Leonhard in Großeisenbach bei Freising (siehe weiter unten).

    Heilig Kreuz in Haunsbach bei Elsendorf:

    Von der romanischen, vormals doppelgeschoßigen Anlage aus Großquadern ist die hohe Chorapsis ohne ihren ersten Abschluss erhalten. Hier in halber Höhe ein umlaufendes Deutsches Band und ein hohes Scheitelfenster als Beleg der Doppelgeschoßigkeit in alter Zeit. Romanisches Südportal zugesetzt. Über der Apsis schlichter quadratischer Turm aus neuerer Zeit.

    St. Stephan in Unterwangenbach:

    Romanische Chorturmkirche aus Backstein mit wuchtigem Turm. Tonnengewölbter Altarraum und flachgedecktes Langhaus. Profanes Obergeschoß einst betretbar durch eine heute zugesetzte Tür im Turm, von außen ist dieses Obergeschoß auch erkennbar an hoch angesetzten romanischen Schlitzfenstern.

    St. Jakob in Hebrontshausen:

    Auf einer Anhöhe über dem Ort gelegene Chorturmkirche. Der spätromanische Chor ist jetzt Sakristei, das spätromanische Langhaus der jetzige Chor, das jetzige Langhaus stammt von 1856. Apsis-Gliederung durch Rundbogenarkaden mit Lisenen und Kämpfern, darüber Deutsches Band. Laut Dehio ehedem zweigeschoßige Anlage. Der Turm mit Satteldach nachmittelalterlich.

    St. Katharina in Rannertshofen:

    Romanische Chorturmkirche mit hohem Langhaus. Obergeschoß anekdotisch überliefert, 1732 aufgelassen und mit dem Kirchenraum vereinigt. Eine Erkerapsis im Raum über dem Rechteckchor deutet auf die spätere Nutzung des Obergeschoßes als Obergeschoßkapelle hin.

    St. Peter und Paul in Ebrantshausen:

    Die ursprünglich einschiffige Chorturmkirche aus Backstein wurde in der Spätgotik um die sogenannte "Heinrichskapelle" nach Norden und um einen Turmaufbau erweitert. Romanisch sind Teile der Süd- und Ostwand sowie der Unterbau des Turms. Hier Zierelemente in Form von Lisenen, Bogenfries, Deutsches Band und Bemalung. An der Südwand tiefsitzendes Rundbogenfenster, Aufmauerung der Südwand um ca. 2 m noch zur Zeit der Romanik, erkennbar am einheitlichen Ziegelmaß gegenüber den kleineren gotischen Ziegeln des Anbaues. Auch hier romanische Zierelemente. Verwendung des abgegangenen Obergeschoßes als Rückzugsraum durch M. Wening anekdotisch überliefert.

    St. Nikolaus in Unkofen:

    Saalbau mit wuchtigen Mauern und eingezogener romanischer Rundapsis, welcher im 18. Jahrhundert barockisiert und dabei der Obergeschoßigkeit entledigt wurde. Die Erbauungszeit des Seitenturmes ist unbekannt. Aufgrund der frappierenden Ähnlichkeit mit der nahe gelegenen Kirche von Türkenfeld, die man auch als den "größeren Bruder" der Unkofener Kirche bezeichnen könnte, aufgrund der Kombination mit einem abgegangenen Ministerialensitz (seit dem 9./10. Jhd. als Hunolzenghova/Unolchinkofen wahrscheinlich, 1136 erstmals sicher benannt) und aufgrund der Lage an der alten Römer-/Salzstraße von der Salzach nach Regensburg (heutige B 299), an der sich weitere Obergeschoßkirchen wie aufgereiht finden (z. B. Johannesbergham, Türkenfeld, Piesenkofen) gibt es kaum einen Zweifel, dass sich die Kirche von Unkofen bei den Obergeschoßkirchen einreihen lässt.

    St. Jakob in Krumbach bei Saulburg:

    Romanische Saalkirche mit Rundapsis, aus Handquadern, innen flachgedecktes Langhaus. Für eine Obergeschoßkirche spricht der gefasste Obereingang an der Westfassade, auf einen einst vom Schiff abgetrennten Obergeschoßraum deuten entsprechende Mauersprünge in Bereich der Empore hin. Somit bauliche Bezüge zu den Kirchen von Bernstein in der Nordoberpfalz und Rinkam bei Straubing. Bei einer Innensanierung 1996 fanden sich außerdem Abbruchspuren einer gemauerten, zweijochigen Westempore. Rätselhafter Zierstein neben dem rundbogig gefassten Nordeingang mit Kreuz- und/oder Flügelstab.

    St. Peter und Paul in Obermiethnach:

    Einschiffiger romanischer Gewölbebau auf hohem Fels, mit halbrunder Chorapsis im Osten, nur wenige Kilometer von Krumbach auf einem Felssporn am Rande des Donautales gelegen. Das ortsbedingt sehr kurze Schiff ist mit einem derben Tonnengewölbe überspannt, ähnlich der ebenfalls nahe liegenden Kirche von Zinzendorf. Von daher dürfte wie auch bei dieser einst ein Profangeschoß existiert haben. Bäuerliche Innenausstattung, Schnitzaltar aus dem 16. Jahrhundert, Figurenschmuck. Über dem Ostgiebel Dachreiter mit geschweifter Dachpyramide.

    St. Johannes Baptist bei Weiher in der Nähe von Pondorf/Kirchroth:

    An einer Ortsverbindungstraße gelegener, romanischer Gewölbebau mit halbrunder, leicht eingezogener Apsis, Kreuzgewölbebau wie im Kreuzhof bei Barbing. Da der Ort Weiher 1179 als "Wiare" erstgenannt ist, dürfte die Kirche aus dieser Zeit stammen. Heute rundbogiger Eingang in einem neugotischen Westturm, mit achteckigem Turm und Spitzhelm. Die kleinen Fenster an der Süd-Ost-Seite des Chores sind romanisch, die Fenster des Schiffes erst in jüngerer Zeit nachträglich eingebrochen, die Nordseite ist fensterlos. Im Inneren sind die beiden kreuzgewölbten Langhausjoche durch Gurtbogen und Wandpfeiler getrennt, die Kämpfer tragen ein Gesims. Kämpferplatten finden sich auch am Chorbogen, in der Apsis enkennt man Reste eines umlaufenden Gesimsbandes. Das Altärchen stammt aus der Zeit um 1730. Wegen des hohen Baus und der Analogie zur Kreuzhofkirche darf man von einem ehemaligen Obergeschoß ausgehen.

    St. Jakob in Unterzeitldorn:

    Einheitlicher Bau des 12. Jahrhunderts. Romanische Saalkirche mit quadratischem, kreuzgratgewölbtem Chor und kaum eingezogener, halbrunder Apsis mit Halbkuppelgewölbe. Bei der Renovierung 1995 fand sich unter den Außenputzlagen ein Handquaderbau mir unterschiedlich hohen, sauber gesetzten Lagen sowie kleine vermauerte Fenstersetzungen weit oben unterhalb der Dachtraufe, womit ein vormaliger Obergeschoßbau bewiesen ist. Alle heutigen Fenster stammen aus der Barockzeit um 1660, vermutlich auch sturzvermauerte Türen an der Südseite und an der Rundapsis. Barocke Innenausstattung, Barockaltar von 1660, die vorzüglich ausgeführten Figuren der heiligen Maria und zweier Bischöfe entstanden um 1500. Kleiner Dachreiter mit gekröpftem Spitzhelm.

    Kapelle 14 Nothelfer in der Burgruine Dobl bei Iggensbach:

    Versteckt im Wald auf einem Felsabhang liegende Burgruine. Ursprünglich Johannes dem Täufer geweihte, flachgedeckte Kapelle mit ungleichmäßig eingezogenem Chor. Romanischer Bau, in Quadertechnik errichtet, vermutlich noch vor dem Ausbau der Burg entstanden. Darunter Kellergeschoß mit Tonnengewölbe und Abgang von Fluchtgängen. Das Profangeschoß über dem Sakralraum ist nur z. T. erhalten, mit kleinen Rundbogenfenstern, wohl einst über einen Einstieg in der Westempore erreichbar, zu der auch ein Laufgang von abgegangenen Herrenhaus führte (zugesetzter Obereingang über dem jetzigen Nordportal).

    St. Georg in Göttersdorf:

    Die sehr alte, inzwischen profanierte Saalkirche aus Tuffstein mit zwei Jochen und eingezogener Rundapsis liegt auf einem künstlichen Hügel am Ufer der Vils. Von einem Wohntrakt überbaut, steckt sie heute über drei Meter im Boden, was zu ihrer Durchfeuchtung beiträgt. St. Georg gehörte zu dem um 1827 abgegangenen Schloss Göttersdorf und trug, wie auf einem Stich von M. Wening zu erkennen ist, einstmals ein Profanstockwerk. Auf ein profanes Obergeschoß zur Erbauungszeit deuten auch die Lage "an einem Edelsitz" und die Tatsache hin, dass noch kurz nach der Zerstörung des Schlosses ein schmaler Laufgang in der Mauerstärke - von einer heute zugesetzten Türöffnung unter der Empore ausgehend - beschrieben wurde.

    St. Johann Baptist in Johannesbergham bei Geisenhausen:

    Hohe Saalkirche mit Rundapsis, an einem ehemaligen Meierhof auf einer Geländekante stehend. Spätgotisches Netzgewölbe mit drei Jochen, an der Südwand Rundbogenfenster mit gotischem Maßwerk. Chorbogen, innere und äußere Apsisgestaltung mit hohen Okulus sowie seitlichen Apsisfenstern barock, aus dieser Zeit auch achteckiger Turmaufbau mit Spitzhelm. Aus der Erbauungszeit im 12. Jahrhundert stammen die Langhausmauern und die untere Turmhälfte, das Rundbogenfries auf Lisenen an der Rundapsis, zwei Rundbogenfenster an der Nordwand, ein romanisches Südfenster in Höhe der hölzernen Westempore. Für ein abgegangenes profanes Obergeschoß spricht nicht nur die enorme Höhe des Schiffs und die relativ tiefe Disposition der Seitenfenster, sondern recht eindeutig auch ein Mauersprung in Bereich der Empore, der die Höhe der ehemaligen Flachdecke zwischen Kirchenraum und Obergeschoß markiert.

  • Oberbayern

  • St. Ulrich in Ainau:

    Kapelle eines abgegangenen Edelsitzes, inmitten der Ilm-Auen auf einer Anhöhe mit Ringgraben gelegen. Flachgedeckter Apsidensaal in Gussmauerwerk, mit regelmäßigen Quadern verblendet, um 1220/30 aus- und später mehrfach umgebaut, zuletzt auch infolge statischer Probleme aufgrund des gesunkenen Grundwasserspiegels. Von hohem künstlerischen Rang sind die romanischen Skulpturen am Südportal. Ein Vorgängerbau und ein herrschaftliches Nachbargebäude wurden durch Grabung erschlossen, ein von außen zugängliches Obergeschoß im ersten Kirchenbau wird angenommen; Hinweise hierzu sind ein innerer Mauersprung und ein Lichtschlitz an der Nordwand sowie Reste eines Obereinstiegs gegenüber. Westteil der Kirche nicht original.

    St. Laurentius in Ilmendorf:

    Um 1200 entstandener, innen barockisierter, vormals flachgedeckter Aspidensaal aus Vohburger Kalkstein, in sorgfältiger Quadertechnik errichtet. Apsis ähnlich der Kirche in Ainau mit halbrunden Diensten und gekehltem Gesims. Der ehemalige Südeingang ist heute zugesetzt, die Westpartie durch Anbau aufgelöst. Für ein vormaliges Obergeschoß sprechen hochsitzende, vermauerte Rundbogenfenster in der Südwand, eine mögliche Lichtscharte an der südlichen Ostwand des Langhauses, sowie Traufsteine mit Stab, wie bei den Kirchen von Deising, Aicholding und Baiersdorf. An der nordwestlichen Langhausecke romanische Tierplastik in Form eines Reptils.

    St. Peter und Paul in Hiendorf:

    Die aus romanischer Zeit stammende, erst kürzlich restaurierte Dorfkirche wurde im 17. Jahrhundert mit Dachreiter und neuem Chor versehen und im 19. Jahrhundert nach Westen verlängert. Bei letzterer Maßnahme zeigten sich die 1,55 m dicken Mauern des Langhauses innen hohl, d. h. versehen mit einem Aufgang innerhalb der Mauerstärke. Eine über der Flachdecke des Langhauses befindliche, zugesetzte Öffnung hat wohl dem Eintritt in einen Maueraufgang entsprochen und belegt das einstige Vorhandensein eines profanen Obergeschoßes.

    St. Margaretha in Weißendorf:

    Die Kirche St. Margaretha war ursprünglich ein schlichter Saal-Apsiden-Bau mit Südportal, errichtet im 12. Jahrhundert. Er wurde möglicherweise schon zu Ende des Jahrhunderts zu der Kirche mit romanischem Westportal und figural geschmückter flacher Rundapsis erweitert, deren Disposition wir noch heute sehen. Die Westwand muss mit zwei mächtigen Stützpfeilern gehalten werden. Hoch über der Südfassade finden sich die Reste des einstigen Obergeschoßeinstiegs, in Form von Fassungssteinen. Innen relativ großzügige Disposition mit breitem und hohem Triumpfbogen sowie eindrucksvoller, dreijochiger Westempore aus Stein. Hinter dem mittleren Joch an der Westwand findet sich das nachträglich eingebrochene Gewändeportal, das ehemalige Südportal wurde in der Gotik umgestaltet.

     
    Die Eckpfeiler sowie eine Konsole über dem Chorbogen belegen eine vorbestehende romanische Flachdecke aus Holz, welche das Schiff vom Obergeschoß trennte. An der Mittelkonsole zwei Köpfe, vermutlich die Brüder des Erbauers Swikar und Ekkehart, die beim Barbarossa-Kreuzzug fielen. Reichhaltiger Skulpturen-Schmuck der Donauschule - außen Apsis-Fries mit zweiundzwanzig Menschen- und Tierköpfen, am Westportal zwei Löwen und breites Flechtornament, innen an den Kapitellen der Emporensäulen Szenen der Offenbarung und am fein skulptierten Chorbogen-Kämpfer rechts Figur des Erbauers Engilmar. Die beiden Seitenaltäre im Block stammen aus der Erbauungszeit, der rechte zeigt eine Reliquiennische. Wertvoller figuraler Innenschmuck aus späterer Zeit, Madonna mit dem Kind von 1500, Rokoko-Altar aus der Hand von Johann Günther.
    St. Peter und Paul in Ottersried:

    An einer Hangkante über einem Gehöft stehende, verputzte Backsteinkirche beim Dörflein Ottersried bei Rohrbach an der Ilm. Saalbau mit Rundapsis, welcher in der Barockzeit in der Tonne überwölbt und mit einem Treppengiebelturm überhöht wurde. Die damalige Umgestaltung hat einige romanische Elemente zurückgelassen: Rundbogiger Südeingang, Mauerrücksprung an der Südwand mit zwei Rundbogenfenstern, Friese mit Blendarkaden. Dass das beträchtliche Mauerstück über dem Fries des Schiffes schon aus der Erbauungszeit stammt und einst ein Profangeschoß umschlossen haben dürfte, erkennt man an dem Mauerprofil der östlichen Stirnwand. Alle anderen Elemente sind heute leider unter einer Putzschicht verschwunden, vermutlich auch der Obereinstieg. Im Inneren schmuckloser romanischer Chorbogen, zwei Sakramentsnischen mit Spitzdach, ansonsten reizvolle bäuerliche Barockausstattung.

    St. Benedikt in Landershofen bei Eichstätt:

    Romanische Saalanlage mit rechteckigem Chorturm und halbrunder Apsis, nach 1182 von Bischof Otto von Eichstätt geweiht. Saal und Chorturm flachgedeckt. Romanische Oberfenster an der Südseite des fast quadratischen, flachgedeckten Langhauses und an der Ostwand des Chorturmes oberhalb der Apsis mit Legschieferdach weisen auf ein abgegangenes profanes Obergeschoß über Langhaus und im Turm hin. Spätere Um- und Aufbauten.

    St. Nikolaus in Hofstetten bei Hitzhofen:

    Die seit 1896 überwiegend neugotische Kirche enthält im Untergeschoß des beigestellten Turmes noch Teile einer Chorturmkirche des späten 12. Jahrhunderts, erbaut in sorgfältig gearbeiteten Kalksteinquadern, nach 1182 von Bischof Otto von Eichstätt geweiht. Erhaltenes Kreuzgratgewölbe. Im ersten Obergeschoß war früher eine Türöffnung zu einem Obergeschoß im Langhaus hin sichtbar, welches 1710 für einen barocken Neubau niedergelegt wurde.

    St. Erhard in Rieshofen:

    Chorturmkirche aus dem 12. Jahrhundert, in Quadertechnik errichtet. Turmaufbau gotisch, Langhaus 1749 durch barocken Neubau ersetzt. Romanischer Turmanteil ursprünglich nur 2 Drittel des heutigen Turmes hoch, erkennbar an einem inneren Mauerabsatz. Über dem Chorquadrat einst profaner Obergeschoßraum, erreichbar in der Nordecke durch einen Obereinstieg mit geradem Sturz. An der Südseite und am Chorscheitel romanischer Okulus. Edelsitz wohl ursprünglich an der Kirche, im 13. Jahrhundert ca. 110 m südlich, auf eine künstliche Insel an der Altmühl verlagert (Turmbau noch stehend, Wassergraben).

    Basis des Bergfrieds der Burg Nassenfels bei Neuburg an der Donau:

    Der heute noch stehende Bergfried der Burgruine Nassenfels steht auf der Innenschale des Chorturms einer Kirche des 12. Jahrhunderts, sorgfältig errichtet aus Kalksteinquadern. Dieser Kirchenbau besaß, wie man aus den baulichen Überresten von Einstiegen erschließen kann, mindestens eines, möglicherweise sogar zwei profane Obergeschoße. Erhalten sind im ehemaligen Presbyterium auch Teile des Chorbogens mit gestuften Kämpferprofilen und das romanische Ostfenster.

    St. Oswald in Hepberg:

    Romanische Saalkirche aus sorgfältig gearbeiteten Kalksteinquadern, mit niedriger, durch ein Türmchen überbauter Rundapsis, heute vollständig verputzt. Zwei hochsitzende Rundbogenfenster und eine kreuzförmige Lichtscharte unter der Traufkante der Südwand sowie eine zugemauerte Türöffnung auf der Empore sprechen für ein abgegangenes profanes Obergeschoß. Mauerstärken um 1,20 m. Reste von Wandmalereien aus allen Epochen. Im Südostbereich unterirdischer Fluchtgang.

    St. Leonhard in Großeisenbach bei Freising:

    Es handelt sich um einen innen barockisierten Backsteinbau der Romanik mit Chorquadrat, von nur geringer Größe. Ähnlich der nahegelegenen Kirche St. Koloman in Thonhausen finden sich am frei gelegten Backsteinwerk der Südwand Zierelemente mit doppeltem und meliertem Deutschem Band, Rundbogenfries mit Farbwechsel und mehrfach gestufter Traufkante. Ein Schlitzfenster im oberen Mauerteil der Südwand deutet in Zusammenhang mit einem relativ tief sitzenden Rundbogenfenster des Kirchenraumes recht eindeutig auf ein vormaliges Profangeschoß hin. Romanisches Scheitelfenster in der Ostwand des Chores mit Zierelementen.

    St. Martin in Gundelshausen:

    Saalkirche aus Backstein mit flachgedecktem Langhaus und hoch reichender Rundapsis. Analog zu Thonhausen und Großeisenbach Zierelemente der Romanik, u. a. ein doppeltes Deutsches Band und halbrunde Dienste mit Rotmalerei an der Apsis, einfaches Deutsches Band und gestufte Rundbögen mit Rotmalerei an der Südwand. Ein Mauerabsatz in Dreiviertel der Fensterhöhe, zwei Schlitzfenster in der Südwand sowie zwei zugesetzte Obereinstiege in der Ostwand neben der Apsis belegen ein profanes Obergeschoß, mit zusätzlichem Raum oberhalb der Apsis. Innen schöner Altar mit der Mantelspende des Heiligen Martin aus dem 17. Jahrhundert.

    St. Rupert in Bruck bei Weyarn:

    Kleine, in der Uferzone des Seehamer Sees liegende Saalkirche des 12. Jahrhunderts, errichtet aus Tuffsteinquadern, mit relativ niedriger Rundapsis und im Verhältnis dazu relativ hohen Langhauswänden. Wegen dieser Eigenart und einem doppelten inneren Mauerversatz auf der Empore darf man von der früheren Existenz einer Flachdecke und eines darüberlegenden Obergeschoßes ausgehen. Diese Strukturen sind in der Barockzeit durch den Einbau eines abgeflachten Tonnengewölbes und eines barocken Chorbogens aufgelöst worden. Aus dieser Zeit stammt auch der quadratische Turmaufbau mit Spitzhelm. Romanisch ist noch das Rundbogenfries und ein Nordfensterchen an der Apsis. Weitere Merkmale der Obergeschoßigkeit lassen sich wegen des Verputzes und einer Schindeldeckung an der Westfassade nicht mehr ausmachen.

    St. Jakobus in Urschalling am Chiemsee:

    Romanischer Saalbau an einem abgegangenen Edelsitz, außen barockisiert, mit Apsis-Türmchen und Zwiebelhaube. Zweijochiger, kreuzgratgewölbter Apsidensaal, berühmt durch seinen Freskenzyklus aus dem 13. und 14. Jahrhundert. Altarraum um 6 Stufen gegenüber dem Kirchenraum erhöht, lettnerartig abgesetzt. Der westliche Vorraum mit hölzerner Empore und Tonnengewölbe entstand durch Umfunktionieren eines vorbestehenden Westturms oder einer Vorgängerkirche, vermutlich aus der Zeit um 1160/70. Von dort Mauertreppe in den Dachraum und romanische Lichtscharte an der Basis der Nordwand. Das heutige Langhaus ist vermutlich um ein Profangeschoß rückgebaut; die gemeinsame Traufkante von Rundapsis und Langhaus, dessen Mauerkranz von den Gewölbekuppeln überragt wird, wäre für eine romanische Anlage ungewöhnlich. Der einstige Westturm könnte dieses Obergeschoß erschlossen haben, in Analogie zur Kirche von Rinkam bei Straubing.

    St. Maria zu den Sieben Linden in Raiten bei Schleching:

    Auf einem Steilhügel über dem Ort stehende Kirche aus Kalkquadern. Das einschiffige, tonnengewölbte Langhaus stammt aus dem 12. Jahrhundert und enthält im westlichen Teil meterdicke Mauern, lokal als Reste eines Westturms wohl eher fehlinterpretiert. Freigelegter Südwandabschnitt mit typischem Obereinstieg und Aufstieg in der Mauerstärke. Zusätzlich von der Empore ausgehende Mauertreppe in den Dachraum, an der Nordwand Lichtscharte unter der Traufe, außerdem oberer Mauersprung zum gotischen Chor, alles eindeutige Kriterien für ein abgegangenes Obergeschoß. In der Barockzeit Innenrenovierung, Bau eines Westturmes.

    St. Nikolaus in Sondermoning am Chiemsee:

    Im 12. Jahrhundert an einem Meierhof gelegene Saalkirche aus Nagelfluhquadern, bei dem die meterdicken Langhausmauern, ein vermauerter Hocheinstieg an der Nordwestwand, ein romanisches Fenster über dem Eingang sowie ein an der Nordostwand angedeuteter Ansatz einer Flachdecke auf die einstige Doppelgeschoßigkeit hindeuten. Ansonsten ist die Kirche durch den gotischen Choranbau und die gotische Seitenkapelle St. Sebastian sowie den barocken Dachreiter stark transformiert. Die Kirche enthält den ältesten gotischen Flügelaltar des Chiemgaus, von 1480.

    St. Johann Baptist in Rottenbuch bei Schwindegg:

    Wuchtige, turmartige Anlage auf eine Kuppe, an Stelle eines vormaligen Edelsitzes. Überwölbter Apsidensaal aus Backstein, mit bis zu 2 m dicken Mauern. In der Südwand durch den Einbau eines Barockfensters freigelegter, einst wohl außen neben der Apsis ansetzender Mauergang nach oben zu einem Profangeschoß, das im 15. Jahrhundert bei der Langhausüberwölbung aufgelöst wurde. Die flachen Abschlüsse der seitlichen Stützen des Langhauses markieren die Höhe der einstigen Flachdecke. Um 1760 Aufsatz eines westlichen Dachreiters und Einbau eines gefälligen Rokokoaltars. Figurale Ausstattung aus dem 18. Jahrhundert.

    St. Lorenz in Altenstadt bei Schongau:

    Die unter Herzog Welf VI. im alten Schongau errichtete Chorturmkirche aus Tuffstein-Quadern wurde an der vormals römischen"via claudia", einer viel befahrenen Heer- und Handelsstraße, um das Jahr 1150 herum errichtet. Von Anfang an scheint diese Kirche an einem Gutshof ein Profangeschoss aufgewiesen zu haben, wie die beträchtliche Höhe, Trauf-Luken und die Anordnung von Kragsteinen an den vier Gebäudekanten belegen. Kurz nach 1167 fiel die Kirche an den Templerorden, der sie gegen Ende des 13. Jahrhunderts wieder aufgab, danach diente sie über Jahrhunderte als Pfarrkirche von "Alt-Schongau". Im Jahr 1811 wurde sie profaniert und in ein Wohnhaus umgewandelt, dabei der Rechteckchor und ein Glockenturm abgebrochen.

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